Sie stehen selten im Rampenlicht und sind doch bei nahezu jeder größeren Veranstaltung unverzichtbar: die vielen Menschen, die sich in Meiningen ehrenamtlich engagieren. Beim diesjährigen Jahresempfang der Stadt Meiningen standen sie deshalb ganz bewusst im Mittelpunkt. 180 der mehr als 200 eingeladenen Ehrenamtlichen kamen am Dienstag im Volkshaus zu einem gemeinsamen Abend zusammen.
Gerade das Georgjahr 2026 zeigt eindrucksvoll, was eine engagierte Stadtgesellschaft bewegen kann. Ob beim MDR-Osterspaziergang, beim Ehrentag, bei der Fête de la Musique, beim Stadtfest mit dem Flashmob-Weltrekord oder bei vielen weiteren Veranstaltungen – überall sind Menschen gefragt, die mit anpacken, Verantwortung übernehmen und ihre Zeit zur Verfügung stellen.
In seiner Begrüßung machte Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder deutlich, dass eine lebenswerte Stadt weit mehr brauche als schöne Gebäude, Parks und Plätze. „Eine Stadt wird vor allem durch die Menschen lebenswert, die in ihr leben und sich für sie einsetzen“, betonte er. Meiningen könne stolz auf eine Stadtgesellschaft sein, in der sich viele Menschen einbringen, egal ob in Vereinen, bei Initiativen oder ganz individuell. Gleichzeitig verwies er auf die Herausforderungen der Gegenwart. Kriege, gesellschaftliche Spannungen und politische Kräfte, die demokratische Grundwerte infrage stellen, machten es umso wichtiger, den Zusammenhalt zu bewahren. Gerade in „verrückten Zeiten“ dürfe sich die Stadtgesellschaft nicht auseinanderdividieren lassen. Begegnung, gemeinsames Engagement und die Bereitschaft, füreinander Verantwortung zu übernehmen, seien deshalb wichtiger denn je.
„Was von diesem Jahr wirklich bleibt, sind die Menschen dahinter“
Die Festrede hielt Annette Theil-Deininger, Vorstandsvorsitzende Zweckverbandssparkasse Rhön-Rennsteig und Vorstandsmitglied Thüringer Ehrenamtsstiftung, die den Blick ebenfalls weg von den großen Bildern und hin zu den Menschen richtete, die sie überhaupt erst möglich machen. „Wenn wir heute Abend auf das Georgjahr schauen, dann denken wir vermutlich zuerst an die großen Momente“, sagte sie. „Aber ich glaube, was von diesem Jahr wirklich bleibt, sind nicht nur die Veranstaltungen. Es sind die Menschen dahinter.“
Sie erinnerte daran, dass bei einem großen Fest meist die Bühne, die Künstler und die Besucher wahrgenommen werden, nicht aber diejenigen, die schon lange vorher mit den Vorbereitungen beginnen, Bänke tragen, Kabel verlegen, Pläne ändern, Helfer organisieren oder nach dem letzten Ton noch bleiben, um aufzuräumen und damit die Menschen, die sagen: Ach, das mache ich eben. „Genau dieses ‚Das mache ich eben‘ ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Sätze unserer Gesellschaft“, so Theil-Deininger. Denn hinter vielem, was funktioniere, stehe jemand, der es eben mache und das meist freiwillig.
Gerade das Jahr 2026 habe dies besonders deutlich gemacht. „Das alles braucht professionelle Organisation. Es braucht Verwaltung. Es braucht Unternehmen. Es braucht Sponsoren. Es braucht gute Planung. Aber vor allem braucht es Menschen. Menschen, die sagen: ‚Ich bin dabei.‘“
Ehrenamt als gesellschaftliche Infrastruktur
Die Festrednerin warb zugleich dafür, das Ehrenamt nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten. Hinter jedem Verein, jeder Veranstaltung und jeder Initiative stünden Menschen mit Berufen, Familien, eigenen Terminen und eigenen Sorgen, die dennoch ihre Zeit für die Gemeinschaft einsetzen. „Ehrenamt ist gesellschaftliche Infrastruktur. So wichtig wie Straßen, Plätze und Gebäude“, sagte Theil-Deininger. „Denn was nützen uns die schönsten Orte, wenn niemand sie mit Leben füllt?“
Gerade darin liege eine besondere Stärke Meiningens: Menschen, die nicht nur fragen, was ihnen eine Gemeinschaft bietet, sondern auch, was sie selbst beitragen können. „Dann wird aus vielen kleinen ‚Ich mache mit‘ ein großes: ‚Wir machen das gemeinsam.‘“ Dieser Gedanke prägte den gesamten Jahresempfang. Denn die zahlreichen Veranstaltungen des Jahres 2026 wären ohne das Zusammenspiel von Stadt, Vereinen, Organisationen, Unternehmen und vor allem den vielen freiwillig Engagierten nicht möglich.
Musik, Begegnung und ein gemeinsamer Abend
Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgte das Stadtblasorchester Meiningen. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus schwungvoller Polka und modernen Hits wie „Happy“ von Pharrell Williams sorgten die Musikerinnen und Musiker für gute Stimmung im Volkshaus. Der Jahresempfang bot dabei nicht nur Gelegenheit zum Dank, sondern auch zum Austausch und zur Begegnung. Menschen, die sich sonst häufig bei unterschiedlichen Veranstaltungen engagieren, kamen an diesem Abend selbst in den Genuss eines gemeinsamen Abends – ohne Aufbau, Organisation oder Helferdienst.
Mit dem Jahresempfang wollte die Stadt vor allem Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Für die Zeit, die investiert wird, für die Ideen, die eingebracht werden, und für die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Denn die großen Veranstaltungen des Georgjahres 2026 mögen in Erinnerung bleiben. Die Bilder vom Weltrekord, die Musik, die Begegnungen und die besonderen Momente werden noch lange erzählt werden. Doch hinter jedem dieser Momente stehen Menschen, die dafür gesorgt haben, dass sie überhaupt entstehen konnten. Und genau ihnen galt an diesem Abend der Dank der Stadt Meiningen.
Die Highlights des Georgjahres finden Sie übrigens hier.


