Sexismus
Sexismus bezeichnet die Diskriminierung oder Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Das kann sich durch Sprache, Verhalten oder gesellschaftlichen Strukturen zeigen. Häufig sind Frauen betroffen, jedoch können auch Männer oder nicht-binäre Personen diskriminiert werden. Sexistische Einstellungen beginnen bereits bei respektlosen oder anzüglichen Bemerkungen und stellen eine Abwertung anderer dar. Darüber hinaus besitzt Sexismus eine strukturelle Dimension. Ein Beispiel hierfür ist die bestehende Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen.
Das Sexismus-Paradoxon
Laut der Pilotstudie von Wippermann (2020) lehnt die Mehrheit der Menschen in Deutschland offenen Sexismus und die Diskriminierung von Frauen ab. Gleichzeitig empfindet jedoch ein großer Teil der Bevölkerung (62 Prozent) Sexismus als „nicht so schlimm“ und verharmlost ihn damit. Dieses widersprüchliche Verhalten wird als Sexismus‑Paradoxon bezeichnet.
Es entsteht unter anderem dadurch, dass Sexismus gesellschaftlich unerwünscht ist – niemand möchte als sexistisch gelten. Daher werden sexistische Vorfälle, wie etwa sexuelle Belästigung, in Organisationen häufig verschwiegen, um den eigenen Ruf zu schützen. Auch viele betroffene Frauen möchten sich nicht eingestehen, dass sie Sexismus erlebt haben.
Hinzu kommt die sogenannte Täter*innen‑Opfer‑Umkehr (victim blaming): Betroffene werden für das Geschehen mitverantwortlich gemacht oder nicht ernst genommen. Diese Mechanismen führen dazu, dass Sexismus oft nicht offen angesprochen wird, wodurch er schwerer zu erkennen und zu bekämpfen ist.
Erst wenn eine offene Gesprächskultur entsteht, in der sexistische Erfahrungen nicht tabuisiert, sondern ernst genommen werden, kann Sexismus wirksam eingedämmt werden.
FAQ
Sexistische Aussagen oder Handlungen erkennst du daran, dass Menschen aufgrund ihres Geschlechts abgewertet, herabgesetzt oder unfair behandelt werden. Dazu gehören zum Beispiel:
- Sexistische Sprache oder Witze, die verharmlost werden („Wenn du nicht so hübsch wärst, wärst du nie so weit gekommen.“ / „Entspann dich, das war doch nur Spaß.“)
- Kommentare über das Aussehen, die unangebracht oder abwertend sind
- Anzügliche oder respektlose Bemerkungen
- Starre Rollenbilder, wie Aussagen „Frauen können nicht …“ oder „Männer müssen …“
- Abwertung oder Herabsetzung aufgrund des Geschlechts
- Duldung oder Verharmlosung von Gewalt
- Erniedrigung oder Bloßstellung
- Sexualisierung von Frauen oder Männern
- Ausgrenzung oder Unsichtbar machen, z. B. wenn jemand in Gesprächen ignoriert wird, weil er oder sie ein bestimmtes Geschlecht hat
- Kontrolle ausüben, nur weil jemand ein bestimmtes Geschlecht hat
- Beleidigungen oder Drohungen, die sich auf das Geschlecht beziehen

