Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt kann Menschen in allen sozialen Schichten betreffen und überall dort auftreten, wo Menschen in engen Beziehungen zusammenleben. Damit ist jede Form von Gewalt gemeint, die innerhalb von Partnerschaften, Familien oder gemeinsamen Haushalten ausgeübt wird – unabhängig davon, ob die Beziehung aktuell noch besteht oder bereits beendet wurde. Betroffene können dabei häufig Partner*innen, Kinder, Angehörige oder Mitbewohner*innen sein.

Häusliche Gewalt zeigt sich in unterschiedlichen Formen, die auch gleichzeitig auftreten können. Dazu gehören:

  • körperliche Gewalt durch Schläge, Würgen oder dem Einsatz von gefährlichen Gegenständen
  • psychische Gewalt durch Drohungen, Demütigungen, Kontrolle oder Manipulation
  • sexuelle Gewalt in Form von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder Übergriffen
  • wirtschaftliche Gewalt durch das Vorenthalten von Geld oder dem Erzeugen finanzieller Abhängigkeit
  • soziale Gewalt durch die Isolation von Freundeskreis und Familie oder die Überwachung der Kommunikation

Diese Seite soll Sie informieren, sensibilisieren und aufklären und Wege aufzeigen, wie Betroffene Unterstützung finden können.

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Wichtige Notfallkontakte

Polizei: 110

Frauenhaus Meiningen

  • Tel.: 03693 502026
  • Adresse: Landsberger Straße 2, 98617 Meiningen
  • E-Mail: frauenhaus.meiningen@t-online.de

Interventionsstelle „HANNA“

  • Tel.: 03693 505211

Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (alle Geschlechter)

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen": 116 016

Hilfetelefon "Gewalt an Männern": 0800 123 99 00

FAQ für Betroffene und Angehörige

Allgemeine Fragen:

Häusliche Gewalt kann in vielen unterschiedlichen Formen auftreten. Oft finden sie im Verborgenen statt und hinterlassen tiefgreifende Spuren.

Diese Arten von häuslicher Gewalt gibt es:

Körperliche Gewalt

  • Schlagen, Stoßen, Treten, Gegenstände werfen, Würgen, Verbrühen
  • mit Gegenständen bzw. Waffen drohen und verletzten
  • ärztliche Versorgung verhindern
  • Zwang zu demütigenden Handlungen
  • Zwang der Einnahme von Alkohol oder anderen Drogen

Tödliche Gewalt / Femizid

  • Angriffe gegen den Hals oder mit Waffen, die zum Tod führen
  • Femizid ist die Tötung einer Frau, weil sie eine Frau ist – also ein beabsichtigter Mord, der aus kulturellen, traditionellen oder religiösen Vorstellungen heraus begangen wird

Psychische, seelische oder emotionale Gewalt

  • eine Person anschreien, beleidigen, bloßstellen, herabwürdigen, ängstigen, beschuldigen oder bedrohen
  • erschöpfende Handlungen, wie beispielsweise Schlafentzug oder Lärm
  • absichtlich benötigende Medikamente vorenthalten
  • Betroffene werden gezielt verunsichert, sodass sie an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln und das Gefühl bekommen, psychisch instabil zu sein
  • bestimmtes Verhalten erzwingen bzw. verbieten
  • Benutzen von Kindern als Druckmittel (auch mit Gewalt an Kindern oder Androhung von Gewalt)
  • Kinder als Druckmittel einsetzten, u.a. indem ihnen Gewalt angedroht oder angetan wird
  • (Haus-)Tieren absichtlich quälen oder töten, um betroffene Person zu verletzten oder zu kontrollieren

Sexuelle und sexualisierte Gewalt

  • sexuelle Belästigungen
  • beleidigende sexuelle Äußerungen an die Person
  • ungewollte sexuelle Handlungen oder Nötigungen, die bis hin zur Vergewaltigung gehen

Soziale Gewalt

  • eine Person einsperren, überwachen, ausspionieren oder durch extreme Eifersucht kontrollieren
  • es der betroffenen Person erschweren bzw. verbieten Kontaktes zu Freunden, Verwandten oder zur Nachbarschaft aufzunehmen
  • aus dem sozialen Umfeld isolieren, indem Familie und Freunde bei Besuchen beschimpft oder bedroht werden, sodass der Kontakt abbricht
  • verhindern, dass die Person arbeiten oder zur Schule geht
  • Bevormundung und Kontrolle – beispielsweise in Bezug auf Aussehen, Kleidung, Haushalt führen oder Kinder erziehen

Ökonomische Gewalt

  • eine Person zwingen eine bestimmte Arbeit aufzunehmen bzw. wird es verboten arbeiten zu gehen
  • das verdiente Geld oder andere Einnahmen wegnehmen
  • das Geld wird zugeteilt und die Ausgaben werden kontrolliert
  • zwingen Kredit- oder Kaufverträgen zu unterschreiben
  • es werden Schulden im Namen der betroffenen Person gemacht

Reproduktive Gewalt

  • Schwangerschaften oder Abtreibungen zwingen
  • eine Person wird zur Verhütung gezwungen oder Verhütung wird verboten
  • ärztliche Hilfe während der Schwangerschaft wird absichtlich verweigert

Digitale Gewalt

  • Beleidigungen über digitale Medien
  • pornografische Abbildungen zusenden
  • ständige Überwachung und Kontrolle – verfolgen, ausspionieren, dauerhalft anrufen und überprüfen
  • Smartphone wird kontrolliert, um zu sehen mit wem telefoniert oder geschrieben wurde
  • digitale Überwachung der Wohnung durch versteckte Kameras oder Mikrofone

Stalking/Nachstellen

  • eine Person wird gegen ihren Willen belästigt oder bedroht, beispielsweise durch Verfolgen, ständiges Anrufen, Droh‑Nachrichten oder Überwachen
  • unerwünschte Geschenke werden gebracht oder versendet
  • Waren oder Dienstleistungen werden im Namen der betroffenen Person bestellt
  • Dinge oder Wertgegenstände werden absichtlich beschädigt, zum Beispiel Reifen, Briefkasten oder Auto
  • Versuch über andere Personen – zum Beispiel Kinder – Kontakt aufzunehmen

Stalking durch einen getrennten Partner

  • unerwünschte Liebeserklärungen, Bitten um Rückkehr und Wiederaufnahme der Beziehung bis zu Drohungen und aggressiver Verfolgung

Fragen für Betroffene:

Viele Frauen und Mädchen merken zunächst nicht, dass sie Gewalt erleben. Oft wird ihnen das erst klar, wenn sie darüber sprechen. Gewalt ist nicht nur körperliche Verletzung. Sie beginnt schon, wenn jemand beschimpft, erniedrigt, bedroht, kontrolliert oder in seiner Freiheit eingeschränkt wird.

Folgende Situationen und Anzeichen sind Hinweise für gewaltvolle Beziehungen:

  • Ihr Partner macht Sie vor Freund*innen oder Familie schlecht, beleidigt oder erniedrigt Sie.
  • Sie sind oft vorsichtig Ihrem Partner gegenüber, sagen Ihre Meinung nicht und geben sich selbst die Schuld, um einen Streit zu vermeiden.
  • Ihr Partner ist sehr eifersüchtig, kontrolliert Ihre Kontakte oder Ihr Handy und bestimmt, wann Sie zu Hause sein sollen.
  • Sie vermeiden Treffen mit Freund*innen oder Familie, um Ärger zu Hause zu verhindern.
  • Ihr Partner drängt Sie zu sexuellen Handlungen bzw. Geschlechtsverkehr, obwohl Sie das nicht möchten.
  • Sie sprechen ungern mit Freund*innen über Ihre Beziehung, weil Ihnen etwas „komisch“ vorkommt oder Sie sich schämen.
  • Ihr Partner verbietet Ihnen, zu arbeiten oder eine Ausbildung zu machen.
  • Ihr Partner droht Ihnen oder sich selbst mit Gewalt, wenn Sie nicht tun, was er will.

Auch Männer können von solchen Situationen betroffen sein.

Fragen für Angehörige:

Manchmal merkt man, dass es einer Freundin, Angehörigen oder Bekannten nicht gut geht, ohne genau zu wissen warum. Häusliche Gewalt ist nicht immer sichtbar – Verletzungen können versteckt werden, und oft handelt es sich um psychische Gewalt.

Mögliche Hinweise bei der betroffenen Person:

  • Sie sagt häufig Treffen ab und zieht sich zurück
  • Sie wirkt traurig, ängstlich, nervös, unsicher oder gereizt
  • Das Gewicht verändert sich stark oder sie konsumiert (mehr) Alkohol, Zigaretten oder andere Substanzen
  • Sie klagt oft über körperliche Beschwerden und wirkt sehr erschöpft
  • Sie ordnet sich dem Partner/der Partnerin stark unter und stellt dessen/deren Wünsche immer an erste Stelle
  • Sie hat Verletzungen, reagiert aber ausweichend, wenn man nachfragt

Auffälliges Verhalten des/der Partners/in kann ebenfalls ein Hinweis sein:

  • häufiges korrigieren der Person, macht sie vor anderen lächerlich oder behandelt sie respektlos
  • es wird verboten zu sprechen, wirkt dominant oder rechthaberisch
  • die Person wird isoliert, indem Freundschaften oder Familienkontakte gestört oder zerstört werden

Fragen zu Täter*innen:

Häusliche Gewalt ist im Gesetz kein eigener Straftatbestand. Stattdessen werden die einzelnen Handlungen – je nach Situation – unter verschiedene Straftatbestände eingeordnet. Deshalb gibt es auch keine einheitliche Strafe für häusliche Gewalt. Die Strafe richtet sich immer danach, welche konkrete Tat begangen wurde.

Mögliche Straftatbestände sind zum Beispiel:

  • Beleidigung (§ 185 StGB)
  • Nötigung (§ 240 StGB)
  • Bedrohung (§ 241 StGB)
  • Freiheitsberaubung (§ 239 StGB)
  • Körperverletzung (§ 223 StGB)
  • gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB)
  • schwere Körperverletzung (§ 226 StGB)
  • Stalking/Nachstellung (§ 238 StGB)
  • sexueller Missbrauch (§§ 174ff. StGB)
  • Vergewaltigung (§ 177 StGB)
  • Totschlag (§ 212 StGB)
  • Mord (§ 211 StGB)
  • Zwangsprostitution (§ 232a StGB)

Diese Liste ist nicht vollständig, zeigt aber die große Bandbreite möglicher Taten. Welche Strafe im Einzelfall droht, lässt sich daher nicht pauschal sagen. Sie hängt immer davon ab, welcher Straftatbestand erfüllt ist.

Rechtliche & finanzielle Fragen:

Sie müssen keine Anzeige bei der Polizei erstatten. Für erste Schutzmaßnahmen können Sie sich direkt an die Frauenberatungsstelle Meiningen wenden. Dort bekommen Sie wichtige Informationen und Unterstützung.

Männer können sich an die Männerberatung Thüringen wenden.

Die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt berät Menschen aller Geschlechter.

Psychosoziale & gesundheitliche Fragen:

Häusliche Gewalt kann das ganze Leben beeinflussen!

Schwere und wiederholte häusliche Gewalt kann lebenslange körperliche und seelische Schäden verursachen. Dazu gehören zum Beispiel Probleme mit dem Hören oder Sehen, Schwierigkeiten beim Gehen oder psychische Erkrankungen.

Körperliche Gesundheitsfolgen:

  • verschiedene Verletzungen wie blaue Flecken, Schmerzen, Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen, offene Wunden, Verbrennungen, Knochenbrüche oder innere Verletzungen
  • häufig Verletzungen im Kopf‑ und Halsbereich
  • Verletzungen in unterschiedlichen Heilungsstadien
  • unbehandelte Wunden oder Brüche
  • Beschwerden im Intimbereich, beispielsweise Infektionen, Unterleibsschmerzen oder Menstruationsprobleme
  • erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, Früh‑ oder Fehlgeburten

Psychosomatische Gesundheitsfolgen:

  • anhaltender Stress und Angstzustände
  • körperliche Beschwerden wie Kopf‑ und Bauchschmerzen, Magen‑Darm‑Probleme, Zittern, Schwindel, Haut‑ und Atemprobleme, Allergien
  • Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder starkes Übergewicht
  • erhöhte Neigung zu Suchtverhalten (z.B. Nikotin, Alkohol, Drogen) und zu wenig Bewegung
  • geschwächtes Immunsystem
  • größeres Risiko für
  • Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, chronische
  • Schmerzen, dauerhafte Erschöpfung und Fibromyalgie (chronische, nicht-entzündliche Schmerzerkrankung)

Psychische Gesundheitsfolgen:

  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit Symptomen wie belastenden Erinnerungen, Gedächtnislücken, Albträumen, Schlafproblemen, Erschöpfung, Angst und Konzentrationsschwierigkeiten
  • mögliche Folgen einer PTBS: starker Rückzug, Vermeidung bestimmter Situationen, riskantes Verhalten wie Suchtmittelkonsum oder Selbstverletzung
  • Persönlichkeitsstörungen, z.B. Borderline oder multiple Persönlichkeiten
  • Angstzustände, Schlafprobleme und Schwierigkeiten in Beziehungen
  • Depressionen
  • erhöhtes Risiko für Suizidgefährdung

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