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Digitale Gewalt
Digitale Gewalt bedeutet jede Form von Gewalt, bei der digitale Medien oder technische Geräte benutzt werden. Sie kann jede Person treffen. Oft passiert sie nicht allein, sondern ist Teil eines größeren Musters von Kontrolle und Einschüchterung – besonders in (Ex-)Partnerschaften, in Familien oder am Arbeitsplatz. Digitale Gewalt ist keine Kleinigkeit, sondern meist eine Straftat.
Digitale Gewalt kann viele Formen haben, die häufig gleichzeitig auftreten:
Belästigung und Bedrohung – zum Beispiel beleidigende oder bedrohliche Nachrichten, Hasskommentare oder Shitstorms.
Identitätsdiebstahl – etwa gefälschte Profile oder Bestellungen im Namen der betroffenen Person.
Verletzung der Privatsphäre – zum Beispiel heimliche Fotos oder Videos, das Veröffentlichen intimer Aufnahmen ohne Zustimmung oder Deepfakes.
Unerwünschte sexualisierte Inhalte – etwa das Zusenden von Dickpics oder pornografischen Bildern.
Digitale Überwachung und Kontrolle – zum Beispiel Ausspionieren von Daten, GPS-Ortung, Spionage-Apps oder das Kontrollieren vernetzter Geräte.
Digitale Angriffe am Arbeitsplatz – etwa das Weitergeben privater Informationen im beruflichen Umfeld.
Wichtig: Digitale Gewalt kann gestoppt werden, wenn frühzeitig etwas dagegen unternommen wird. Bleiben Sie nicht allein damit.

Wichtige Notfallkontakte
Polizei: 110
- Tel.: 03693 502026
- Adresse: Landsberger Straße 2, 98617 Meiningen
- E-Mail: frauenhaus.meiningen@t-online.de
HateAid (Beratung bei digitaler Gewalt)
- Tel.: 030 252 088 38
- E-Mail: beratung@hateaid.org
Safe withyou (zur Beweissicherung)
- Safe withyou ist eine Schweizer Online‑Plattform, die wie ein digitales Tagebuch funktioniert. Betroffene können dort Fälle von häuslicher Gewalt oder Stalking festhalten. Die Dokumentation kann Fotos, Videos, Audioaufnahmen und ausführliche Texte enthalten, sodass Vorfälle sicher und strukturiert aufgezeichnet werden können.
- E-Mail: info@with-you.ch
Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen": 116 016
Hilfetelefon "Gewalt an Männern": 0800 123 99 00
FAQ zur digitalen Gewalt
Allgemeine Fragen:
- Belästigung & Bedrohung - Personen erhalten unerwünschte Nachrichten, Beleidigungen, Drohungen oder es werden falsche Behauptungen verbreitet
- Shitstorm - viele Personen greifen jemanden gleichzeitig online an, oft mit Beleidigungen oder Hasskommentaren
- Identitätsdiebstahl - jemand gibt sich online als eine andere Person aus, nutzt gestohlene Passwörter oder bestellt Dinge im Namen der der betroffenen Person
- Verletzung der Privatsphäre - heimliches Fotografieren oder Filmen, Weitergeben privater oder intimer Bilder ohne Zustimmung, oder das Erstelen von Deepfakes (KI-generierte Fälschungen von Bildern oder Videos)
- Unerwünschte sexualisierte Inhalte - versenden von pornografischen Bildern oder Videos von bspw. Geschlechtsteilen, ohne die Zustimmung der Person
- Digitale Überwachung & Kontrolle - ausspionieren von Nachrichten, Standort oder Geräten, z. B. durch Spionage-Apps oder GPS-Tracking
- Digitale Angriffe im Arbeits- oder Ausbildungsumfeld - verbreiten privater Informationen oder Gerüchte im beruflichen Umfeld, um jemanden zu schädigen
Fragen für Betroffene - erkennen & reagieren
Es gibt mehrere technische Möglichkeiten, wie jemand Ihren Standort herausfinden kann. Häufig passiert das, ohne dass man es sofort bemerkt.
Mögliche Gründe für die Ortung:
- aktiviertes GPS – wenn die Standortfunktion Ihres Smartphones eingeschaltet ist, können Apps oder Dienste Ihren Standort anzeigen
- Instagram-Kartenfunktion – wenn diese Funktion aktiv ist, kann Ihr Standort über Ihre Aktivitäten sichtbar werden
- heimlich installierte Ortungs-Apps – wenn jemand Zugriff auf Ihr Handy hatte, könnte er eine App installiert haben, die Ihren Standort überträgt
- gemeinsame Accounts – Apple- oder Google-Konten können Standortfreigaben enthalten, die unbemerkt weiterlaufen
- Smart-Home-Geräte oder Fahrzeug-GPS – auch Autos oder vernetzte Geräte können Standortdaten liefern
- versteckte Bluetooth-Tracker – kleine Geräte wie AirTags können in Taschen, Kleidung oder im Auto versteckt werden
Was Sie tun können:
- Standort-Einstellungen prüfen – schalten Sie GPS in den Schnelleinstellungen aus und kontrollieren Sie App-Berechtigungen
- Instagram-Karte ausschalten – so verhindern Sie, dass Ihr Standort über die App sichtbar wird
- Geotagging deaktivieren – entfernen Sie Standortdaten aus Fotos, indem Sie die Standortfreigabe der Kamera ausschalten
- Apps überprüfen – sehen Sie in den Einstellungen nach allen installierten Apps, nicht nur nach den Icons auf dem Startbildschirm
- Gegenstände nach Trackern durchsuchen – kontrollieren Sie Taschen, Auto, Kleidung und Handyhüllen
- Gerät professionell prüfen lassen – Fachleute oder die Polizei können versteckte Software erkennen
- im Ernstfall Gerät austauschen – wenn Sie sich nicht sicher fühlen, kann ein neues Gerät notwendig sein
Fragen für Betroffene - Schutz & Prävention
Damit digitale Gewalt nachgewiesen werden kann, müssen Beweise vollständig, unverändert und sicher aufbewahrt werden. Besonders bei Nachrichten, Fotos oder Videos ist das entscheidend.
Beispiel: Bedrohliche Nachrichten dokumentieren
- Screenshot machen – achten Sie darauf, dass Datum, Uhrzeit und Absender sichtbar sind
- Ausdrucken – wichtige Nachrichten zusätzlich auf Papier sichern
- Sicher speichern – zum Beispiel in einem geschützten Online-Tresor oder auf einem separaten Gerät
- Nicht weiterleiten – beim Weiterleiten ändern sich technische Daten (Header), die als Beweis wichtig sind
- Nicht antworten – jede Reaktion kann die Situation verschärfen oder Beweise verfälschen
- Dokumentieren – führen Sie eine Liste: Wann? Was? Wer? Zeugen? Notieren Sie Namen und Kontaktdaten möglicher Zeugen
- Separat sichern – speichern Sie alles zusätzlich auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte
Bei Fotos und Videos
- Originaldateien behalten – nicht bearbeiten, nicht zuschneiden, nicht löschen
- Metadaten erhalten – in den Dateien stehen wichtige Infos wie Datum, Uhrzeit und Ort
Fragen für Betroffene - konkrete Situationen
Wenn jemand intime Bilder von dir ohne deine Erlaubnis veröffentlicht, kannst du Folgendes tun:
Sofortmaßnahmen
- Beweise sichern – Screenshots machen oder die Seite ausdrucken, auf der die Bilder zu sehen sind
- Plattform informieren – den Inhalt über die Meldefunktion melden und die sofortige Löschung anfordern
- Täter*in zur Löschung auffordern – verlangen, dass die Person alle Dateien auf allen Geräten löscht
- Nicht weiterverbreiten – die Bilder selbst nicht teilen, auch nicht zur „Dokumentation“
Rechtliche Schritte
- Die Veröffentlichung ist strafbar (§ 33 KUG und § 201a StGB)
- Strafanzeige bei der Polizei erstatten
- Zivilrechtliche Möglichkeiten – Unterlassung, Löschung und Schadensersatz verlangen
- Rechtsberatung nutzen – Anwält*innen für Medien- oder Strafrecht können schnell handeln
Hilfsangebote
- viele Frauenberatungsstellen bieten kostenlose erste Rechtsberatung an
- Die App „MeldeHelden“ kann beim Melden von Inhalten helfen
- Folgede Anlaufstellen können Sie bei der Dokumentation und der weiteren Vorgehensweise unterstützen:
Fragen für Betroffene - am Arbeitsplatz
Viele Frauen und Mädchen merken zunächst nicht, dass sie Gewalt erleben. Oft wird ihnen das erst klar, wenn sie darüber sprechen. Gewalt ist nicht nur körperliche Verletzung. Sie beginnt schon, wenn jemand beschimpft, erniedrigt, bedroht, kontrolliert oder in seiner Freiheit eingeschränkt wird.
Folgende Situationen und Anzeichen sind Hinweise für gewaltvolle Beziehungen:
- Ihr Partner macht Sie vor Freund*innen oder Familie schlecht, beleidigt oder erniedrigt Sie.
- Sie sind oft vorsichtig Ihrem Partner gegenüber, sagen Ihre Meinung nicht und geben sich selbst die Schuld, um einen Streit zu vermeiden.
- Ihr Partner ist sehr eifersüchtig, kontrolliert Ihre Kontakte oder Ihr Handy und bestimmt, wann Sie zu Hause sein sollen.
- Sie vermeiden Treffen mit Freund*innen oder Familie, um Ärger zu Hause zu verhindern.
- Ihr Partner drängt Sie zu sexuellen Handlungen bzw. Geschlechtsverkehr, obwohl Sie das nicht möchten.
- Sie sprechen ungern mit Freund*innen über Ihre Beziehung, weil Ihnen etwas „komisch“ vorkommt oder Sie sich schämen.
- Ihr Partner verbietet Ihnen, zu arbeiten oder eine Ausbildung zu machen.
- Ihr Partner droht Ihnen oder sich selbst mit Gewalt, wenn Sie nicht tun, was er will.
Auch Männer können von solchen Situationen betroffen sein.
Fragen für Angehörige & Freunde
Manchmal merkt man, dass es einer Freundin, Angehörigen oder Bekannten nicht gut geht, ohne genau zu wissen warum. Häusliche Gewalt ist nicht immer sichtbar – Verletzungen können versteckt werden, und oft handelt es sich um psychische Gewalt.
Mögliche Hinweise bei der betroffenen Person:
- Sie sagt häufig Treffen ab und zieht sich zurück
- Sie wirkt traurig, ängstlich, nervös, unsicher oder gereizt
- Das Gewicht verändert sich stark oder sie konsumiert (mehr) Alkohol, Zigaretten oder andere Substanzen
- Sie klagt oft über körperliche Beschwerden und wirkt sehr erschöpft
- Sie ordnet sich dem Partner/der Partnerin stark unter und stellt dessen/deren Wünsche immer an erste Stelle
- Sie hat Verletzungen, reagiert aber ausweichend, wenn man nachfragt
Auffälliges Verhalten des/der Partners/in kann ebenfalls ein Hinweis sein:
- häufiges korrigieren der Person, macht sie vor anderen lächerlich oder behandelt sie respektlos
- es wird verboten zu sprechen, wirkt dominant oder rechthaberisch
- die Person wird isoliert, indem Freundschaften oder Familienkontakte gestört oder zerstört werden
Fragen zu Täter*innen:
Häusliche Gewalt ist im Gesetz kein eigener Straftatbestand. Stattdessen werden die einzelnen Handlungen – je nach Situation – unter verschiedene Straftatbestände eingeordnet. Deshalb gibt es auch keine einheitliche Strafe für häusliche Gewalt. Die Strafe richtet sich immer danach, welche konkrete Tat begangen wurde.
Mögliche Straftatbestände sind zum Beispiel:
- Beleidigung (§ 185 StGB)
- Nötigung (§ 240 StGB)
- Bedrohung (§ 241 StGB)
- Freiheitsberaubung (§ 239 StGB)
- Körperverletzung (§ 223 StGB)
- gefährliche Körperverletzung (§ 224 StGB)
- schwere Körperverletzung (§ 226 StGB)
- Stalking/Nachstellung (§ 238 StGB)
- sexueller Missbrauch (§§ 174ff. StGB)
- Vergewaltigung (§ 177 StGB)
- Totschlag (§ 212 StGB)
- Mord (§ 211 StGB)
- Zwangsprostitution (§ 232a StGB)
Diese Liste ist nicht vollständig, zeigt aber die große Bandbreite möglicher Taten. Welche Strafe im Einzelfall droht, lässt sich daher nicht pauschal sagen. Sie hängt immer davon ab, welcher Straftatbestand erfüllt ist.
Rechtliche & finanzielle Fragen:
Sie müssen keine Anzeige bei der Polizei erstatten. Für erste Schutzmaßnahmen können Sie sich direkt an die Frauenberatungsstelle Meiningen wenden. Dort bekommen Sie wichtige Informationen und Unterstützung.
Männer können sich an die Männerberatung Thüringen wenden.
Die Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt berät Menschen aller Geschlechter.
Beratung & Anlaufstellen - Hier finden Sie Hilfe!
Manchmal merkt man, dass es einer Freundin, Angehörigen oder Bekannten nicht gut geht, ohne genau zu wissen warum. Häusliche Gewalt ist nicht immer sichtbar – Verletzungen können versteckt werden, und oft handelt es sich um psychische Gewalt.
Mögliche Hinweise bei der betroffenen Person:
- Sie sagt häufig Treffen ab und zieht sich zurück
- Sie wirkt traurig, ängstlich, nervös, unsicher oder gereizt
- Das Gewicht verändert sich stark oder sie konsumiert (mehr) Alkohol, Zigaretten oder andere Substanzen
- Sie klagt oft über körperliche Beschwerden und wirkt sehr erschöpft
- Sie ordnet sich dem Partner/der Partnerin stark unter und stellt dessen/deren Wünsche immer an erste Stelle
- Sie hat Verletzungen, reagiert aber ausweichend, wenn man nachfragt
Auffälliges Verhalten des/der Partners/in kann ebenfalls ein Hinweis sein:
- häufiges korrigieren der Person, macht sie vor anderen lächerlich oder behandelt sie respektlos
- es wird verboten zu sprechen, wirkt dominant oder rechthaberisch
- die Person wird isoliert, indem Freundschaften oder Familienkontakte gestört oder zerstört werden

