1874 schreibt Giuseppe Verdi sein „Requiem“ und will nicht mehr komponieren. Doch als sein Künstlerfreund Arrigo Boito ihm eine Oper nach Shakespeares „Othello“ vorschlägt, ist er von dem Drama fasziniert und feilt mit ihm sofort am Text. Viel später schreibt er die Musik. Verdi und Boito haben die Psychologie der Vorlage beibehalten, sich aber mehr auf das intime Wechselspiel der Hauptfiguren konzentriert.
Otello ist als schwarzer Gouverneur von Zypern ein Fremder, obwohl er die angesehene Desdemona geheiratet hat. Argwöhnisch wird er von seinem vermeintlichen Freund Jago betrachtet. Otello reagiert empfindlich, wenn er glaubt, getäuscht zu werden. Vertrauensverlust stürzt ihn ins Chaos. Es genügt, dass Desdemona sich auf Jagos Veranlassung für einen degradierten Hauptmann einsetzt, und schon geht die Saat des Zweifels über ihre Treue auf. Jago macht Otello zum Werkzeug rasender Eifersucht.
Das Werk des Mittsiebzigers hat einen „neuen“ Verdi hervorgebracht. Alle großen Soloszenen werden vollkommen in den musikalischen Fluss eingebettet. Vom gigantischen Sturm am Anfang bis zum tragischen Ende gibt es kein Nachlassen der inneren Spannung. Damit vollführt er den Übergang von der Gesangsoper zum musikalischen Drama. Verdis vorletztes Meisterwerk stand in Meiningen zuletzt 1967 auf dem Programm.
- Veranstaltungsort
- Staatstheater Meiningen, Großes Haus
10.415863
50.573265
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