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Abschottung | Schutz | Überwindung

Ein Fotoprojekt zum Thema Mauer für das Jubiläum zur friedlichen Revolution 2019 von Dorothea Brandt


Hören wir das Wort „Mauer“, fallen einem ganz verschiedene Bezüge ein, wie alte Burgen oder die eigenen vier Wände.
Manch einer hat vielleicht die Rufe von politischen Strömungen oder Staatsoberhäuptern im Ohr, welche Mauern errichten wollen. Und schließlich wissen wir auch um eigene Mauern, die wir in uns tragen und mit und denen wir uns bewusst - und auch unbewusst -auseinandersetzen.
So erfährt der Begriff „Mauer“, ausgehend von dem historischen Ereignis 1989, einen Wandel von der geschichtlicher Tatsache hin zum biografisch, essentiellen Thema, das jeden Menschen angeht. Wo sind meine Mauern? Wen lasse ich an mich ran? Wie weit kann ich mich öffnen? Gibt es Fenster, Türen oder Tore, um sie zu durchschreiten - oder braucht es einen Vorschlaghammer?

Zum Jubiläum der friedlichen Revolution 1989 und dem damit verbundenen Fall der Mauer zwischen der damaligen Bundesrepublik und der DDR befasst sich das Fotoprojekt
Abschottung | Schutz | Überwindung
mit der Thematik Mauer.
52 Teilnehmer aus Meiningen und näherer Umgebung werden sich der Herausforderung stellen und eine Antwort auf die Frage „Wie sieht es mit Mauern in deinem Leben aus?“ formulieren.
Die spannenden Antworten werden von Januar bis Dezember 2019 wöchentlich im Meininger Tageblatt und hier veröffentlicht.

Stefan Voß:
Das Leben stellt einen immer wieder vor neue Mauern und Barrieren, die zu überwinden immer wieder eine Herausforderung ist. Die dankbarste Überwindung einer Mauer war die jener schon am Boden liegenden Mauer, die die mutigen Bürger der DDR seit dem 9. November 1989 niedergerissen hatten. Während deren Reise vielfach in den Wilden Westen ging, inspirierte mich der Mauerfall zum Aufbruch nach Osten. Als ich an jenem Donnerstag, den 9. November 1989, mit Kommilitonen der Kieler Universität in Lübeck die ersten Trabis auf holsteinischem Boden erlebte, war dies für mich wie eine Einladung, meine Zelte in Kiel abzubrechen und in Berlin weiter zu studieren.


Auf einer meiner ersten Pendelfahrten nach Berlin nahm ich eine Krankenschwester der Charité als Anhalterin mit, die mir im Verlauf der Fahrt ihre bisherige Wohnung in Berlin-Mitte, An den Kolonnaden, Voßstraße/ Ecke Wilhelmstraße, vermittelte. Als ich dort im Sommer 1990 – direkt am ehemaligen Todestreifen – Quartier bezog, waren meine Nachbarn Katharina Witt, Günter Schabowski (der mit dem zerknüllten Zettel und jenen berühmten Worten: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich“) und alte Größen des Politbüros. Auf mein Begehren, ob sie im Urlaub meine Blumen gießen würden, erwiderte mein direkter Nachbar: „Nur, wenn Sie mir Ihre Pflanzen bringen. Ihre Wohnung betrete ich nicht.“


In der Folgezeit beschäftigte ich mich mit der Samtenen Revolution, Ostmitteleuropastudien und Preußens Feldzug gegen Habsburg-Österreich (die drei Schlesischen Kriege), ich schrieb meine Magisterarbeit über „Die Tschechoslowakei unter deutscher und sowjetischer Herrschaft“, arbeitete beim ZDF für „Kennzeichen D“ und ging nach meinem Abschluss – im Auftrag des Instituts für Auslandsbeziehungen – noch weiter östlich nach Polen, wo seit dem Deutsch-Polnischen Freundschaftsvertrag die Polen nach Aufnahme in die EU und die deutschen Verbliebenen nach Anerkennung ihrer deutschen Wurzeln begehrten. Beides trat ein. Ich lernte, dass das Schicksal der Vertriebenen noch eine Facette hatte: das Schicksal der Verbliebenen. Bis heute engagiere ich mich im Rahmen der Völkerverständigung – ob mit internationalem Rotary-Jugendaustausch, der Vermittlung ausländischer Sportler in deutsche Vereine oder mit Reisen und Gegenbesuchen der vielen neuen Bekannten. Wer die Völker der Welt verstehen will, muss sie kennenlernen und dazu Mauern und Grenzen überwinden.

Johanna Glaser:

Ich bin offensichtlich, ohne viel dafür getan zu haben, mit ziemlich guten Startvoraussetzungen in die Welt gesetzt worden. Nach der Schulzeit war diese für mich grenzenlos und so lebte, studierte, arbeitete ich einige Jahre zwischen Paris, Lissabon und Brasilien und zuletzt lange Zeit in Berlin. Wenn es Widerstände gab, so habe ich meist irgendeinen Weg daran vorbei gefunden und dafür nicht selten Planänderungen in Kauf genommen.

Das Eintauchen in andere Kulturen, das Bewusstwerden von Gemeinsamkeiten und Unterschieden formen bis heute meine Identität. Ruhiger zu werden, mich selbst zu begrenzen, ist ein Prozess. Vielleicht bin ich bald angekommen. Zugleich akzeptiere ich meine innere Unruhe, die Welt begreifen zu wollen, denn sie wird immer Teil meines Wesens sein.

Wenn Menschen sich vor hohen, unüberwindbaren Mauern wiederfinden, fühle ich mit ihnen, suche nach Lösungen, denn diese Ungerechtigkeiten machen mich wütend. 

Wenn aber Menschen sich selbst einmauern und mit Vorurteilen zufriedengeben, würde ich diese gern aufrütteln und ihnen eine offene, bunte Welt zeigen, in der Platz für uns alle ist. Und für die Mensch im Prinzip nur vor die Haustür gehen muss. Wie die Geschichte gezeigt hat, sind Mauern zum Glück nichts für die Ewigkeit. 

Lutz Reukauf:

Unsere Familie braut Bierspezialitäten in 5./6. und 7. Generation. Auch wir mussten schmerzlich erfahren wie unser Betrieb in den 70er Jahren enteignet wurde. Unser damaliger Seniorchef musste aus nächster Nähe zuschauen, wie das kommunistische Regime den Betrieb übernahm und diktierte, was wohl der düsterste Tag einer Familiengeschichte ist.

Genauso schmerzlich fanden wir die  Führung des Betriebes durch die Kommunisten in der DDR-Zeit. Aus heutiger Sicht verhalf sie uns zu einem schlechten Image durch die damalige Mangelwirtschaft und die daraus resultierende mangelnde Qualität des Bieres (außer Spezial- und Delikatbier, welches nur von der Politik auserwählte Kunden bekommen haben). Ein Beispiel: Bier durfte nicht teurer werden, deshalb wurde es durch Stammwürzereduzierung „dünner“ gemacht, d.h. verdeckte Preiserhöhung und Täuschung am Kunden. Dieses schlechte Image steckt heute noch in vielen Köpfen.

Deshalb unser Appell an alle Endverbraucher: Reden wir wieder positiv über regionale Produkte. Reißen wir gemeinsam die vorhandenen Mauern der Voreingenommenheit gegenüber regionaler Produkte ein.

Besuchen Sie uns in Kaltennordheim. Wir haben eine moderne Brauerei und freuen uns über eine Wertschätzung unserer Biere.

Kim Holland-Moritz:
Heutzutage steht man unter dem gesellschaftlichen Druck, denn es wird alles bewertet und man muss möglichst perfekt sein. Doch warum ist es wichtiger, was andere über einen sagen oder denken? Ich denke, jeder stellt Mauern auf, auch wenn wir durch die Gesellschaft beeinflusst werden können, es sind trotzdem unsere eigenen Mauern. Ich habe mich gerne hinten angestellt und so wurden Mauern erschaffen, die vielleicht gar nicht existiert hätten. Deshalb ist es Zeit, auf den bisherigen Mauern rumzuspringen und sie so zum Einstürzen zu bringen.

Damit ich mich zukünftig auf etwas Neues einlassen und hinter mir selbst stehen kann, denn nur ich selbst weiß, was ich mir zutrauen würde und was das Beste für mich ist.
Selbst wenn meine Entscheidung mal nicht gut sein sollte, sind es trotzdem Erfahrungen, die mir im Leben weiterhelfen können. Deshalb möchte ich nicht sofort Mauern  erschaffen, sondern erst schauen, was sich auf den verschiedenen Wegen des Lebens befindet.

Constanze Vogel:
Mauern oder brauchen wir sie?

Mauern geben uns Orientierung  im freien Raum. Mauern behindern uns beim Betreten neuer Wege. Mauern haben immer zwei Seiten, Mauern sind eine Challenge!

Ich bin in der Vergangenheit häufig umgezogen, habe meinen Schutzraum, meine eigenen vier Wände, häufig gewechselt. Das macht Angst. Das ist aber vor allem spannend und bereichernd. Neue Menschen, neues Umfeld, neue Routinen bringen mich dazu, meine erlernten, althergebrachten Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen. Dann kann ich sie genau so belassen oder eben über Bord werfen. Das ist erfrischend und hält mich beweglich. Achtung Spoiler:  Es ist schwer, liebgewonnene, schlechte  Angewohnheiten abzulegen, selbst  wenn Du schon schmecken kannst, dass die Zukunft grandios wird.

Beruflich bin ich im Tourismusmanagement tätig, damit, unser wunderschönes Städtchen attraktiv zu gestalten und bekannt zu machen. Neue Lebensstile, Wertewandel, wachsende Individualität, politische- und Umwelteinflüsse, die Digitalisierung sind nur einige der Faktoren, die ein Umdenken, Neudenken, die Entwicklung  touristischer Konzepte erforderlich machen.

Wenn ich mich hin und wieder  wie im Hamsterrad fühle, habe ich beschlossen, einfach mal öfter „Nein.“ zu sagen – eine Mauer mit äußerst befreiender Wirkung.

Maximilian Fleischer:
Mauer. Mauern. Die Mauer. Denk ich an Mauern, fällt mir zuerst meine Kunstabschlussarbeit ein: „Von der Westberliner Mauerkunst zum gesamtdeutschen Graffiti“. Note 1,3. Mir fällt auch eine nervenaufreibende Grenzübergangsfahrt bei Berlin ein, bei der ich mich als 5-jähriger weigerte, meinen richtigen Namen zu sagen. Einfach, weil ich den Grenzbeamten und seinen Grenzbeamtenton unerträglich fand.

Eine Mauer. Nicht irgendeine Mauer, sondern die Mauer hat meine Familie, und die Familien vieler anderer, lange getrennt. Hat ein Land geteilt, dass bis heute noch nicht vollständig zusammengewachsen scheint. Vielleicht habe ich auch deshalb ein ambivalentes Verhältnis zu Mauern. Einerseits fühle ich mich zur Geschichte der Mauer, die Deutschland teilte, hingezogen. Ich bin neugierig auf die Geschichten von Zeitzeugen, die lernen mussten, mit einer quasi undurchlässigen Grenze zu leben. Mich schaudern die Geschichten von den Versuchen, die Mauer zu überwinden und es macht mich betroffen, wieviele dabei umgekommen sind. Mauertote. Tote durch eine Mauer. Tod durch Überwinden von Grenzen, durch den Wunsch nach Freiheit. Und irgendwo anders in der sogenannten westlichen Welt will ein Präsident eines angeblich fortschrittlichen Landes wieder eine Mauer bauen. Es braucht nicht viel Phantasie um zu ahnen, wohin das führen wird.

Wer Grenzen zieht und Mauern baut, verhindert wider besseren Wissens, den gesellschaftlichen und kulturellen Austausch. Doch Kreativität und Freiheit lassen sich nicht durch Flüsse, Mauern oder andere Grenzen einschränken. Daher verbinde ich mit Mauern auch immer die bunte Variante: Malereien, Bepflanzungen oder Graffitis – eine Mauer als Leinwand der eigenen Kreativität. Eine eingestürzte Mauer als Fotokulisse, als Kletterwand, als Zeugnis einer vergangen Zeit.

Für mich bedeuten Mauern sie zu überwinden. Sich nicht mit ihrem Status abzufinden. Und eben nicht nur während der Kindheit beim Spielen auf dem Hinterhof. Mauern sind menschengemacht, also kann ich sie ändern. Ob sie farblich umgestaltet, begrünt oder durchlässiger werden, ist egal. Eine Mauer sollte niemals nur eine Mauer bleiben. Sie dient der Trennung, Abgrenzung und als Herrschaftssymbol. Und dieses Bild gilt es einzureißen. Wie eine alte Mauer.

Nils Hallmann:
„Die Menschen bauen zu viel Mauern und zu wenig Brücken“ - Isaac Newton An Aktualität hat das Zitat von Sir Isaac Newton nicht verloren - im Gegenteil - denke ich an das Thema Mauern, habe ich das Gefühl, dass es fast schon charakteristisch für unsere heutige Gesinnung ist. Für mich persönlich stehen sie dabei vor allem als manifestierte Symbole der Abschottung einerseits und des Leids andererseits. Vor den Mauern Europas wird das Mittelmeer zum „Massenfriedhof“, um ein Zitat von Papst Franziskus aufzugreifen. Auf der anderen Seite des großen Teiches kämpft der 45. US-Präsident erbittert darum sein größtes Wahlversprechen - eine Mauer zu Mexiko zu errichten, einzuhalten. Offiziell soll diese Mauer vor allem Drogenschmuggler daran hindern, ihre illegalen Waren in die USA zu überführen. Doch scheint es bei genauerer Betrachtung ebenso ein Symbol der Abschottung und des Wegschauens vor dem Leid zahlreicher Mittelamerikaner zu sein. Im Nahen Osten steht eine Mauer, an deren Geschichte man die Tragik einer ganzen Region ablesen kann. Die israelische Sperranlage, die entlang der Grenzlinie zwischen Israel und dem Westjordanland verläuft, steht symptomatisch nicht nur für den inzwischen Jahrzehnte andauernden Nahostkonflikt, sondern gerade auch für die Verkörperung der festgefahrenen Situation anderen Ende kein Riss im Mauerwerk zu erkennen ist, der auf eine baldige Lösung hindeuten könnte. Folglich stellen Mauern für mich ein trauriges Symbol dar, dass in erster Linie für gescheiterte Diplomatie, Abschottung und für die zementierten Probleme dieser Welt steht. Doch die deutsche Geschichte steht quasi par excellence dafür, dass Mauern keine Probleme lösen, sie schieben sie nur auf. Doch trotz dieser scheinbar negativen Ausrichtung des Textes soll dies kein Ausdruck von Pessimismus darstellen! Ich glaube fest daran, dass sich diese Probleme, die Mauern nur aufschieben, lösen lassen können. Damit will ich aber auch nicht an einen naiven, ungeprüften Optimismus anknüpfen, sondern dem Ganzen vielmehr ein Haltung der Hoffnung gegenüberstellen - im Bloch’schen Sinne einer konkreten Utopie und somit möchte ich auch mit einem Zitat von Ernst Bloch enden: „Es geht um den Umbau der Welt zur Heimat, ein Ort, der allen in der Kindheit scheint und worin noch niemand war.“

Steffi Koch:
Mauern sind dazu da, um verschoben oder angemalt zu werden. Ich bin im ehemaligen Grenzgebiet aufgewachsen und war umgeben von der innerdeutschen Mauer. Aus dem Dorf, Emstadt, führte nur ein Weg; ich bin froh, dass ich damals ein Kind war und diesem keine Bedeutung gegeben hatte. Gleichzeitig wurden mir durch die Wiedervereinigung unglaubliche Möglichkeiten eröffnet, für die ich sehr dankbar bin.

Für mich haben Mauern zwei Bedeutungen, zum einen dienen sie als Schutz und zum Andern engen und sperren sie ein. Dies zeigt sich auf zwei Ebenen, im Außen und im Inneren und dennoch sind sie miteinander verbunden.
Die äußeren Mauern zeigen sich zum Beispiel in Form von Landesgrenzen. Sie sollen Schutz gewähren, aus meiner Sicht ist dies eine Illusion. Die Umweltverschmutzung kennt keine Grenzen. Veränderungen am anderen Ende der Welt wirken sich auch bei uns aus. Selbst wenn ich die Ausbeutung der Erde nicht direkt sehe. Wir atmen alle die gleiche Luft.
Der andere Aspekt sind innere Mauern, zum einen geben sie mir einen gewohnten Handlungsspielraum, die Komfortzone. Diese übernehme ich allerdings erst einmal und durch Erziehung, soziales und kulturelles Umfeld sowie Rollenbilder wirken imaginäre Mauern durch die Gesellschaft, also von Außen auf mich. Für mich habe ich jedoch festgestellt, dass es wichtig ist, sich diese bewusst zu machen und zu hinterfragen. Ergeben sie für mich einen Sinn oder nicht? Wenn nicht, löse ich sie auf oder verschiebe sie und dehne meine Komfortzone aus. Dies bringt natürlich Unsicherheiten mit sich, weil mir erprobte Handlungsoptionen und Referenzen fehlen. Meine Orientierung finde ich erst einmal wieder anhand von flexiblen inneren Mauern. Für mich ist es bedeutend, zu wissen was mir wichtig ist und was für mich persönlich stimmt. Das muss nicht immer das sein, was alle gut finden und ist auch nicht statisch, sondern veränderbar. Einige Voraussetzungen hierfür sind aus meiner Perspektive vorgefertigte Meinungen zu hinterfragen, seine wirklichen Bedürfnisse zu kennen, Unsicherheiten zu überwinden und seinen Weg zu gehen. Für mich kann ich sagen, es lohnt sich. Und das heißt auch nicht, dass es keine Gemeinschaft gibt. Ich denke diese Gemeinschaft ist tiefer und beruht auf Respekt und Wertschätzung sich selbst und Anderen gegenüber.

Das Innen und Außen spiegelt sich sehr gut, wie sich heute in der Gesellschaft beobachten lässt. Halte ich ohne zu hinterfragt an dem fest was ist, weil es schon immer so war, obwohl es mir persönlich vielleicht nicht gut tut aber bequemer ist oder bin ich bereit mich zu fragen ob diese Mauer für mich stimmig ist, um diese dann zu verschieben oder aufzulösen mit allen Unsicherheiten, die sich dadurch einstellen und letztendlich nach einer Weile wieder zur Sicherheit werden.

Friederike Kayser:
Das Dreiländereck Deutschland-Schweiz-Frankreich ist meine Heimat und von dort aus, weit weg von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze habe ich den Fall der Mauer nur unbewusst miterlebt, unwissend, welche Bedeutung dieser Moment haben sollte. Ich kann mich an den Abzug französischer Soldaten im Schwarzwald erinnern und daran, wie Jahre später Europa näher zusammenrückte und es plötzlich keine Zöllner mehr an der deutsch-französischen Grenze gab. Und dass mein Französisch-Lehrer spontan mit uns die 10 Minuten „rüber“ nach Frankreich fuhr, damit sich jeder von uns beim Bäcker ein Croissant bestellen konnte. Ich durfte also miterleben, wie Mauern abgebaut wurden. Meine persönliche Affinität für Reisen, Sprachen und Entdecken von Kulturen und das Privileg, überhaupt reisen zu können, kommt ganz sicherlich von dieser Entwicklung. Ich hatte das große Glück, in meine Studienzeit und im Berufsleben Auslandsaufenthalte einzubauen, die mir das Erlernen neuer Sprachen, Einblicke in das Arbeitsleben des jeweiligen Landes und damit eine ganz neue Sichtweise auf verschiedenste Kulturen ermöglichten. Dabei entstanden unglaublich bereichernde Begegnungen und Gespräche mit Menschen, deren Lebensumstände und Hintergrund unterschiedlicher nicht sein könnte. Ich kam aber auch in Situationen, in denen ich mich selbst vor einer Mauer befand, einer Sprachbarriere. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn diese sich nach einiger Zeit löst und man plötzlich mehr und mehr versteht, selbst sprechen, vor allem aber zuhören kann! Was man dann hört, sind die Feinheiten, die die Kultur ausmachen und die verschiedenen Denkweisen und Meinungen prägen.

Am 3. Oktober 2013 befand ich mich in Argentinien und hatte eine Deutschland-Karte selbst gebastelt, auf die man die ehemalige Grenze aufkleben oder wegnehmen konnte. Ich wollte damit meinen Schülern in einer kleinen ländlichen Schule veranschaulichen, was genau an unserem Nationalfeiertag gefeiert wird. Danach kam die Frage: „Ist das euer Unabhängigkeitstag?“ Nein, es ist doch ein Tag der Einheit! Was war an meiner Erklärung und an der mühevoll gebastelten, beweglichen Mauer-Grenze nicht klar? Doch tatsächlich bedeutet die Einheit eine Unabhängigkeit und Freiheit. Ich wünsche mir, dass wir diese Freiheit in Zukunft nicht einbüßen müssen, und dass wir die Offenheit besitzen, diese Freiheit zu teilen, anstatt uns wieder einzumauern.

Elli Johnson:
Mit dem kommenden Brexit mache ich mir Sorgen dass politischen Mauern nochmal existieren werden. Wo es mal ‚the Iron curtain‘ gab, wird gleich eine neue Grenze stehen. Als Britin, Europäerin und Studentin der europäischen Sprachen ist meine Zukunft mit dieser Mauer etwas unsicher. Davor hatte ich nur Mauern im Kopf die mich behindert haben. Jetzt sieht es aus als ob eine neue, nicht von mir erstellte Mauer, mein Leben begrenzen könnte. Das ist also ein neues Gefühl. Im Fall dass die britische Politiker den Brexit durchführen, muss ich mich fragen, auf welche Seite der Mauer ich stehen möchte.

Ich wünsche mir, dass Großbritannien in der EU bleiben würde. Falls nicht, wünsche ich mir dass die andere Europäer tolerant wären und erkennen würden, dass viele britische Bewohner eine starke internationale Beziehung be- und erhalten möchten.
„Men build too many walls, and not enough bridges.“

Simeoli Guiseppe:
Eine Mauer erlebte ich in meinem Leben ganz massiv, hoch und dunkel. Es war wie ein Labyrinth, aus dem ich selbst nicht heraus kam. Es fühlte sich nach zwei komplett verschiedenen Welten an. Eine, die für euch da draußen alle bekannt ist, wo das normale Leben gelebt wird. Daneben gab es meine eigene und dort fühlte ich mich wohl. Aber irgendwann merkte ich, dass ich alleine dort war. Freunde, Verwandte und Bekannte wollten nichts mehr mit mir zu tun haben. Da merkte ich, dass etwas falsch lief. Ich wollte ausbrechen und den Weg hinausfinden, aber es gelang mir nicht. Manche Mauern sind einfach zu hoch und zu stark als dass man selbst genug Energie hat diese einzureißen und zu überwinden. Es braucht jemanden von außen. Jemanden, der den Weg zu dir findet, dich an die Hand nimmt und dich hinausführt - oder auch zerrt. Mich erreichte meine Mama und ich fand den Weg zurück. Heute bin ich sehr froh, dass ich wieder frei atmen und leben kann. Seit dem erscheinen mir jene Mauern nur noch als Herausforderungen. Sie sind zwar da, aber das heißt noch nicht, dass ich mein Ziel nicht erreichen kann. Wenn ich in meine italienische Heimat möchte, muss ich nicht fliegen, ich kann auch mit dem Auto fahren.

Anja Wallbach:
Mauern sind nicht nur schlecht. Sie geben mir Halt und einen geschützten Raum. Sie dürfen jedoch nicht zu eng und undurchlässig sein. In meiner Kindheit fühlte ich mich oft eingemauert. Es fehlte an Freiräumen, um eigene Erfahrungen zu machen, um sich auszutesten. Irgendwann habe ich mich auf mich selbst besonnen. Ich begann, mich zu entdecken, was ich mag, was in mir steckt und was ich im Stande bin zu leisten. Es braucht dann etwas Mut und das Bewusstsein der eigenen Kraft, um die wundervollen Torbögen in den Mauern mit den so schönen Aussichten nach draußen wahrzunehmen und durch sie hindurch zu gehen.

Ganz oben steht die Musik, die mich beflügelt. Und das Bedürfnis, etwas zu erschaffen und kreativ zu sein. Ich habe mir in Laufe der Zeit eine kleine Goldschmiedewerkstatt aufgebaut. Auch designe und nähe ich meine Kleider selbst und noch vieles mehr. Alles so, wie es mir entspricht und das in meinen eigenen Mauern.

Aber ich liebe es auch, diese Mauern zu verlassen und immer wieder neue Eindrücke aufzusaugen und mich mit Anderen auszutauschen.
Jeder hat es selbst in der Hand, aus der Enge seiner Mauern auszubrechen, um sein Leben selbst zu gestalten. Auch gedanklich.

Was mir auch immer mehr ins Bewusstsein rückt, ist die Einmauerung der Gesellschaft. Die Menschen sollen möglichst funktionierende Rädchen im Getriebe sein. Nicht nach links und rechts sehen. Aber wenn jeder einen Raum und den Weitblick für seine Neigungen hat, gibt es eine viel größere Vielfalt und Kreativität. Das bringt die Menschen voran und macht das Leben lebenswert und glücklich.

Marlies Voigt:
Wer Mauern baut, hat selber Grenzen
Die Berliner Mauer war und ist für mich Symbol für Eingrenzung, Ausgrenzung, Unfreiheit.
Diese Mauer trennte nicht nur Europa und Deutschland in Ost und West, sie trennte Kollegen, Schulkameraden, oft sogar Familienmitglieder. Bei unseren Familienfesten mussten politische Themen unterbleiben - „um des lieben Friedens willen“. Aber das war kein guter Friede - ebenso wenig, wie es die sogenannte „friedliche Koexistenz“ war. Die „Mauer“ trennte in den Klassenzimmern Kinder mit Pionierhalstuch von denen ohne, Jugendweihlinge von Konfirmanden, entschied über Zulassung zur Erweiterten Oberschule und damit über Zukunftspläne. Gefährlich grenzte sie ein und aus - im privaten wie im beruflichen Bereich - im politischen und religiösen sowieso.
Das konnte, durfte auf Dauer nicht „gut“ gehen. Und darum gingen wir auf die Straße im Herbst 1989. Ich jeden Donnerstag in Erfurt mit vielen anderen - Kerzen in den klammen Händen. Auf den Lippen den beschwörenden Ruf: „Keine Gewalt“! Um des Friedens und unserer Freiheit willen. Und so brachten wir alle gemeinsam am 9. November 1989 die Mauer zum Einsturz. Ein Wunder - alles schien und so vieles wurde möglich in dieser neu gewonnenen Freiheit!

Und heute? Wieder ist von Mauerbau die Rede (Trump), wieder Initiativen zur Abgrenzung (Brexit),
wieder werden Menschen ausgegrenzt (Flüchtlinge) durch „Mauern“ in den Köpfen anderer . Das erlebe ich gerade bei einigen Schülern, die ihren Horizont selbst begrenzen, indem sie Mitschüler anderer Kulturen ausgrenzen. Bedauerlich - am meisten für die „Mauerbauer“ selbst.

Aber: Ich sehe weit mehr Mitmenschen, die beherzt solcherart Mauern einreißen. Mit ihnen gemeinsam möchte ich aus den Trümmern begrenzender Mauern verbindende Brücken bauen!

Volkmar Ludewig:
Abschottung und Schutz nehme ich in meinem Umfeld differenzierter wahr, als es oftmals in den Medien und in der Presse dargestellt wird. In den Medien zählt getrieben von Auflage, Quote, Umsatz und Profit die Negativschlagzeile und die Sensation. Hier hat sich eine Art Parallelwelt entwickelt.
Im normalen Leben haben in dieser Hinsicht viele Leute, die ich kenne, was Mauern und Vorurteile anbelangt, eine sehr realitätsbezogene Wahrnehmung. Grundsätzlich verdient erst einmal jeder Respekt und hochtrabend gesagt die Achtung seiner Würde, bevor man sich ein Urteil bildet.

Was mir besonders bei dem Thema auffällt und missfällt ist, dass gerade immer dann fanatische Vorurteile gebildet werden, wenn ein aggressiver Charakter im Spiel ist. Dieser Wesenszug zur Gewaltbereitschaft und animalischen Rivalität wird mit Religion und Glauben als auch mit eigensinniger Weltanschauung bemäntelt. Aber im Grunde geht es hier nur darum, Mauern aufzubauen und einfach Gewalt auszuleben. Ein Phänomen in dieser Art ist die rechtsradikale Entwicklung in vielen Ländern. Die Frage ist nicht, wo kommt dieses Gesinnungsgut her, sondern warum häufen sich aggressive Charaktere in der Gesellschaft, die sich unter dem Vorwand dieser Gesinnung verwirklichen können. Z.B. wenn die Balance in der Gesellschaft kippt, der angemessene Abstand zwischen arm und reich zu sehr gedehnt wird, führt das zu nicht intakten Lebensumständen, zu Existenz-Stress und ist Ursache nicht sozialisierter Verhaltensweisen.

Insgesamt denke ich, sind wir, was dieses Thema Abschottung und Schutz angeht, auf gutem Wege. Sogar befördert durch das mitunter gescholtene Internet und die Sozialmedia rücken die Menschen der verschiedenen Kulturen, verschiedener Herkunft oder unterschiedlicher sozialer Stellung doch näher zusammen und werden zumindest immer mehr aufgeklärt. Allein was in den letzten 10 Jahren in der Öffentlichkeit und im Netz an Themen diskutiert und polemisiert wurde, fördert das gesellschaftliche Bewusstsein und die Meinungsbildung für die Überwindung von Schranken und Ressentiments.

Ralph W. Meyer:
Mit dem Begriff Mauer verbinde ich als geborener DDR-Bürger zuerst die unmenschliche Grenze zwischen Ost und West, den „Antifaschistischen Schutzwall“. Vielleicht, weil meine Eltern am 11. August 1961 in Westberlin im Kino waren und es gerade so zurück in den Osten geschafft haben?! Aber vor allem, weil ich im Sommer 1989 mit meiner kleinen Familie von Halle nach Meiningen gezogen bin. Zu einer Zeit, in der Freunde und Bekannte massenhaft über Ungarn, Prag und Warschau die Heimat verließen, blieben wir 20 Kilometer vor der Grenze stecken. In einer grauen Stadt, hinter der schon ziemlich bald die Welt für Normalbürger zu Ende war. Wenn ich mit meinem knallroten Trabant, der noch das Kennzeichen aus dem Bezirk Halle hatte, in der Henneberger Straße südwärts fuhr, meldete das der VoPo an der Kreuzbergschänke seiner Dienststelle. Hier haben wir jeden Tag gespürt, was die Mauer, was Teilung bedeutet: eingesperrt zu sein, auch im Kopf. Aus dieser Zeit könnte ich zahllose Erlebnisse schildern, die heute Kopfschütteln auslösen.

Aber ich erinnere mich ebenso gerne an die Aufbruchstimmung im Herbst 1989, das Licht, das aus der Kirche getragen wurde, die damit verbundenen Hoffnungen. Noch heute bekomme ich bei diesen Gedanken Gänsehaut. Sicher auch, weil der Mauerfall mir die Chance gab, meinen Traum zu verwirklichen. Ich konnte Journalist werden, frei und unabhängig über den Wandel einer Stadt, einer Region berichten, die langsam aber beständig das so hässliche Grau abstreifte. In Meiningen sind die von Kohl versprochenen „blühenden Landschaften“ durchaus entstanden, auch wenn die Probleme auf dem Weg dorthin mächtig waren, für manchen zu mächtig. Doch sich deswegen die Mauer zurück wünschen? Niemals!

Bei so manchem Zeitgenossen existiert die Ost-West-Mauer noch im Kopf. Ich bin froh, dass die junge Generation das kaum nachvollziehen kann, auch wenn ich dadurch meine Kinder nach Baden-Württemberg „verloren“ habe. Viel bedenklicher sind die vielen neuen Mauern – in Jerusalem, in Ungarn, den USA ... in den Köpfen. Dagegen gilt es heute anzuschreiben, für Freiheit, für Demokratie.

 

Madlen Kehr:
Mauern sind feste Bauwerke, hart und massiv. Der größte Teil der Bevölkerung verbindet Mauern mit der Mauer die es in Deutschland gab, da ich aber zu dieser Zeit noch nicht auf dieser Welt war, ist es für mich ein Teil Geschichte, aber mehr nicht.

Mauern verbindet man mit Schutz und Sicherheit. Schutz vor Witterung, Einbrechern und wilden Tieren, für die andere Seite der Mauer ist es ein Hindernis.
Ich persönlich verbinde Mauern mit zwischenmenschlichen Hindernissen, die ebenso dem Schutz dienen, aber auch genauso hinderlich sein können. Für mich gibt es zwei Menschentypen, die einen schauen gerne über diese Mauern und entdecken neues und die anderen verstecken sich dahinter und blockieren damit alles neue und sind vermeintlich in Sicherheit.

Ich selbst bin der neugierige, manchmal sogar unerschrockene, auch etwas naive Typ der gerne über die Mauern schaut und sich interessiert was sich hinter der Mauer bzw den Menschen verbirgt.

Noch habe ich keine wirklich schlechten Erfahrungen damit gemacht, zum Glück.
Die Mauern der Menschen sehen aber auch verschieden aus. Manche Schrecken mich ab, es gibt höhere Mauern und niedrigere Mauern, da braucht man manchmal länger und muss vielleicht eine größere Hürde nehmen, weil die Mauer weiter oben ein paar Gucklöcher hat. Man darf aber trotz alledem nicht verheimlichen, das es diejenigen gibt die noch Stacheldraht oben auf ihrer Mauer haben – das sind aber sehr seltene Exemplare.
Meine letzte persönliche Erfahrung ist die mit Armani, ich habe für ein freies Fotoprojekt ein Model mit Kopftuch gesucht und über eine Freundin eine Handynummer vermittelt bekommen. Keine Angst vorm Kopftuch, habe ich mir als Thema gesetzt und wollte endlich meine Behauptung, das ich so wahnsinnig Tolerant sei belegen. Am Anfang war ich natürlich vorsichtiger, was ich alles Fragen darf und was sie mir alles erzählen würde. Ich wurde sehr positiv überrascht von den ehrlichen Antworten und glaube das daraus eine kleine Freundschaft entstanden ist, wir waren nach dem Fotoprojekt mal mit ihren Töchtern spazieren und schreiben immer mal, wenn sie eine Frage hat. Wie zB. wo sie in Meiningen ein Kleid umnähen lassen kann. Ich habe mir mal ein Kopftuch aufsetzen lassen und besitze jetzt selbst eines, das sie mir geschenkt hat. Das ist ein Beispiel für mich, das ich als Mauererklimmerin viel Positives neu entdecken kann und tolle Dinge und Menschen so kennen lerne.

Pascal Welker:
Deutschland ist für mich als Kind der 90er Jahre eine Selbstverständlichkeit. Nur aus Gesprächen mit Kollegen erfahre ich von der Zeit als diese Mauer noch stand. Wenn ich dann regelmäßig sage, dass ich dies oder jenes nie so gesehen oder gehört habe, bin ich verwundert wie wenig ich in der Schule über unsere jüngere deutsche Geschichte gelernt habe. Womit ich auch heute noch Schwierigkeiten habe ist die Unterscheidung in der Sprache in „alte und neue Bundesländer“. Natürlich kamt ihr irgendwie später hinzu, allerdings wurde uns die Entscheidung auch nicht offeriert. Die Gründe dafür sind Geschichte. Aber gleichzeitig frage ich mich, wann diese Unterscheidung aus unserer Sprache verschwindet. Natürlich kann man sich fragen, ob dies notwendig ist. Ich denke ja. Ich kann nicht genau sagen was, aber als in Rheinland-Pfalz Geborener erlebe ich ab und zu, dass immer noch etwas mitschwingt, wenn „die Wessis“ über „die Ossis“ reden und umgekehrt. Und jedes Mal, wenn meine Kollegen etwas vermeintlich abfälliges über „den Westen“ sagen, schauen sie mich an und entschuldigen sich irgendwie. In den Momenten kommt es mir dann vor, als wären wir erst frisch wiedervereint oder dass die Mauer noch existieren würde. Wäre doch schön, wenn wir die Wiedervereinigung nach 30 Jahren nicht nur auf dem Papier, sondern auch in unseren Köpfen und in der Sprache vollziehen würden. Für uns jungen Leute ist sie in der Mehrheit schon vollzogen, weil wir uns nicht vereinen mussten. Meine Generation ist die erste, die von Geburt an vereinigt war. Lasst uns Deutschland leben, im besten Sinne. Lasst uns die Freiheiten genießen, die der Mauerfall mitgebracht hat und lasst uns nicht daran arbeiten, neue Mauern aufzubauen.

Jürgen Göllner:
Mauern… ich wurde gefragt , was für Gedanken bewegen dich wenn du das Wort "Mauern" hörst… Je länger ich über diese Frage nachdenke , um so klarer wird mir , das ich das nicht einfach mit ein "paar Worten" beantworten kann … Ich gehöre zu jener Generation die mit "DER MAUER“ aufgewachsen ist. Wahrscheinlich ist mein erster Gedanke deshalb die Gleichsetzung dieses Wortes mit... Abschottung, eingesperrt, ja eingemauert sein, gleichzeitig denke ich dann aber auch an die Mauer in den Köpfen vieler. Für mich ist es einfach sehr sehr wichtig diese Mauern in den Köpfen einzureißen, ja diese Gedankenbarrieren ein für allemal zu überwinden.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist für mich der Gedankenaustausch mit Menschen die anders denken und fühlen… Allerdings denke ich beim Wort "Mauern" auch an das Haus, dessen Mauern Wärme , Sicherheit und Geborgenheit geben. Mein Wunsch wäre es dieses Wort nur noch mit diesen positiven Werten zu verbinden… das allerdings, denke ich, ist noch ein langer und beschwerlicher Weg.

Gedanken zum Thema „Mauer“ von Kai Jäger
Wie viele andere Menschen sicher auch, denke ich bei dem Wort Mauer zunächst an die „Berliner Mauer“ und die damit verbundene Teilung Deutschlands und Europas. Das Gefühl, in einem abgeriegelten Land, quasi eingesperrt, zu leben, hat mich geprägt. Wahrscheinlich war es die Ohnmacht vor dem Stacheldraht und die Willkür der Entscheidungsträger in der DDR, die bei mir zunächst eine Sehnsucht, dann aber einen starken Willen zum Freisein auslöste. Das ist bis heute so.

Deshalb versuche ich Menschen, die immer genau wissen, was richtig und was falsch ist, aus dem Weg zu gehen. Von solchen Leuten fühle ich mich in die Enge getrieben. Was dann meist zwischen meinem Gegenüber und mir erwächst, lässt sich ganz gut mit einer Mauer vergleichen. Ich werde einsilbig und ziehe mich so gut ich kann zurück. Mein Gegenüber ist beleidigt, weil ich seine Weisheiten nicht gebrauchen kann. In solchen Momenten ist dann vor allem eine Mauer in meinem Kopf. Die wird dicker und größer, je mehr ich überzeugt werden soll. Mir ist durchaus bewusst, dass Offenheit im Umgang miteinander das Mittel der Wahl ist. Allerdings bin ich der Meinung, dass es dabei eben auch Grenzen gibt. Deshalb pflege ich meinen „mentalen Maurer“, damit er mich mit seiner Arbeit vor diversen Nervensägen schützt.

Peggy Greiser:
Die Zeitlosigkeit von Mauern
In diesem jährt sich der Deutsche Mauerfall zum dreißigsten Mal. Durch die friedliche Revolution der Ostdeutschen und das internationale Entgegenkommen Frankreichs, Großbritanniens, der USA und oder besser insbesondere Russlands ist eine Grenze quer durch unser Land, quer durch unsere Geschichte, quer durch Regionen und quer durch das Schicksal von Familien scheinbar überwunden. Es sind mit der Zeit jedoch andere Mauern entstanden, weniger sichtbare, aber Mauern, die unserem gesellschaftlichen Frieden im Wege stehen. Mauern zwischen unseren unterschiedlichen Lebenswelten, zwischen Stadt und Land, Arm und Reich, Alt und Jung – Mauern die gegenseitige Ignoranz und Desinteresse am Schicksal des jeweils anderen als Konsequenz bedeuten. Auch die unaufhaltsame digitale Revolution hat Mauern errichten lassen. Soziale Netzwerke und das Internet im Generellen scheinen sich zu einem abgeschirmten Raum zu entwickeln, in welchem der Ton immer lauter und die Wortwahl immer schriller zu werden scheint. Aufgrund der spürbaren Wehrlosigkeit der Anständigen - der schweigenden Mehrheit - scheinen wir viel zu häufig sprachlos im Kampf gegen bewusste Diffamierung und dem Verbreiten von Falschmeldungen. Heute sind es die Mauern der Entfremdung, der Enttäuschung und der Wut, die wir zu überwinden haben. Mauern, die hinter sich ein tiefes Misstrauen beherbergen. Ein Misstrauen gegenüber der Demokratie und ihren Repräsentanten. Ein Misstrauen also, welches sich unter der Überschrift „Ihr da oben und wir hier unten“ formulieren lässt. Mauern, und das wissen gerade wir Ostdeutschen, sind nicht zwanghaft von Dauer, sie können niedergerissen und überwunden werden. Jedoch sind es nicht nur physisch sichtbaren Grenzen, die uns trennen, sondern oftmals die tiefgehenden gesellschaftlichen Gräben.Auch 30 Jahre nach dem Niedergang der großen Mauer durch unser Land bleibt die Herausforderung, Mauern zu überwinden. Völkerrechtlich ist die Deutsche Einheit mit dem Verschwinden von Mauer, Todesstreifen und Stacheldraht vollzogen. Das Niederreißen der gesellschaftlichen Mauer, die uns noch viel zu häufig trennt, bleibt ein harter und steiniger Weg. Wichtig dabei ist: Einheit heißt auch Gleichheit. Und bei der Gleichheit von Löhnen, Renten, ja auch den Lebensbedingungen zwischen Ost und West scheint noch viel zu häufig eine zeitlose Mauer zu existieren.

Gabriela Velasquez:
Wenn ich das Wort „Mauer“ höre, denke ich an die „Schutzmauern“ der Mutter, die sie um ihre Kinder baut. Mütter glauben, dass ihre Kinder sehr empfindliche und verwundbare Menschen sind. Da das Leben auch zahlreiche negative Erfahrungen mit sich bringt, die den Kindern schaden könnten, versuchen ihre Mütter verschiedene unsichtbare Schutzmauern um sie herum zu bauen.

Genau so habe ich es in meiner Kindheit und Jugend mit meiner Mutter erlebt. Sie hat zu meinem Schutz viele Regeln aufgestellt, durch die ich mich wie durch eine Mauer eingeschränkt gefühlt habe. Zum Beispiel hat sie alle Entscheidungen für mich getroffen.
Irgendwann habe ich mich dazu entschlossen, auszuziehen und mein Leben in die eigenen Händen zu nehmen. Das war kein leichter Weg, aber nach vielen Versuchen und Erfahrungen habe ich die Schutzmauern meiner Mutter überwunden. Nach und nach habe ich gelernt meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Eine meiner wichtigsten Entscheidungen, die mir am meisten Glück und Freude gebracht hat, war die, von Venezuela nach Deutschland zu ziehen.

Nach vielen erlebnisreichen Jahren habe ich nun endlich den Zweck verstanden, wofür die Schutzmauern meiner Mutter da waren. Heute bin ich ihr dafür sehr dankbar, dass sie viel versucht hat, mich zu beschützen. Eine Bitte hätte ich allerdings an sie und alle Mütter, dass ihre Schutzmauern nicht so einschränkend sein, sondern auch Fenster und Türen haben sollten, damit Kinder früh die Gefahren des Lebens erkennen und lernen mit ihnen umzugehen.

Ivonne Fuchs:

Wo gab es in meinem Leben Mauern?

In meinem Leben gab es tatsächlich immer dann Mauern, wenn ich mich vor unangenehmen Gefühlen schützen wollte. Egal, welcher Art. Das funktioniert an sich auch eine Weile ganz gut, am Ende ist es aber eine Sackgasse. Am Anfang geht dir die Mauer vielleicht bis zu den Knien, das ist kein Problem. Man fühlt sich stark und unschlagbar. Dann mauert man weiter und weiter. Später kann man gerade noch so drüber schauen. Aber irgendwann eben nicht mehr. Und dann hast Du ein Problem. Dann hockst du in deinem Tower, scheinbar sicher. Hast dich zwar abgeschottet von den ganzen unangenehmen und schmerzvollen Gefühlen. Aber die schönen Dinge, wie Liebe, Freude und Dankbarkeit kannst du dann eben auch nicht mehr erleben. Und das fühlt sich ziemlich leer an. Heute weiß ich, das schlimmste ist nicht Angst oder Traurigkeit. Das Schlimmste ist gar kein Gefühl zu haben. Und wie sollen wir denn wissen, was Freude ist, wenn wir nicht vorher geweint haben?

Caroline Simon:
Mauern bedeuten für mich in erster Linie Abschottung nach außen. Manchmal empfinde ich diese Abschottung als sehr wohltuend und beruhigend, genieße es, Zeit für mich allein zu haben und mich ungestört der Musik zu widmen, neue Ideen zu sammeln oder einfach abzuschalten...

Ich liebe es, mit Musik zu experimentieren. Dafür brauche ich Ruhe und Zeit. Es gibt wunderschöne Instrumentalversionen im Internet, die es mir ermöglichen, aus einem bekannten Lied etwas völlig neues zu machen...zum Beispiel hab ich aus Michael Jackson‘s „The way you make me feel“ eine Jazzversion gemacht. Dabei veränderte ich teilweise die Melodie und spielte mit Tempo und Rhythmus. Das Ergebnis hat mir sehr gut gefallen. Man hörte nicht gleich, um welches Lied es sich handelte, obwohl es vertraut schien. In solchen Momenten bin ich so vertieft, dass ich alles um mich herum vergesse.
Dann sind die Mauern, die ich um meinen Rückzugsbereich errichte, so massiv, dass ich von meiner Außenwelt nicht mehr viel mitbekomme. Daher wäre wohl ein Fenster sinnvoll, durch das man schauen oder sogar ab und an klettern kann - in beide Richtungen.

Ich glaube, wichtig ist, diese Mauern niemals zu fest zu errichten, damit sie keinen endgültigen Charakter bekommen. Mauern müssen oder dürfen sich verändern, sollen erweiterbar sein, können Schutz und Geborgenheit vermitteln und sollen bunt sein...mit jeder Menge Schlupflöchern.

Angelika Schmidt:
Ich verstehe und erlebe Mauern ganz unterschiedlich.
Als ein Betrieb von Bauarbeitern, die Häuser, Brücken oder Steinwände bauen. Mauern kann auch sein, wenn man etwas angestellt hat und dann hofft, dass es nicht heraus kommt. Mauern können sehr hoch sein. Da denke ich an, Eltern, die mehr wollen als man selbst möchte. Mauern kann Mobbing sein - wenn ein Mitschüler gegen einen anderen ausfallend wird und sich der Betroffene keiner Person anvertrauen kann, möchte und sich zurück zieht und mauert.

Eine Mauer kann eine Krankheit sein, die man erfahren kann und einer vertrauten Person nicht erzählen möchte. So erging es mir. Die Diagnose war überraschend und ließ mich erstarren. Ich zog mich mehr und mehr in mich zurück und konnte mich erst langsam meinem Mann anvertrauen. Zum Glück gelang mir das!

Tino Bender:
Ein Gast betritt das Restaurant. Er kennt meinen Arbeitsplatz nicht und ich kenne ihn nicht. Da ist sie - die Mauer des Fremden. Ich überwinde sie ganz leicht, weil ich ihn offen anschaue und ihn herzlich willkommen heiße, ihm einen Platz anbiete und die Karte bringe. Ein erster Schritt ist getan, um die Fremdheit zu überwinden und einander begegnen zu können.

Ich denke, dass Mauern sehr oft im Kopf entstehen. Mich begleiten diese schon mein ganzes Leben. Meistens sind sie hoch und scheinen unüberwindbar, oft sind sie niedriger und scheinen leichter zu überwinden. Es gilt für mich, diese Mauern an jedem Tag in meinem Leben zu bezwingen, wobei es manchmal Tage, Monate oder Jahre dauert, dies zu schaffen. Dabei hilft mir immer wieder, die Mauer auch von der anderen Seite zu betrachten.
Die Zeit allerdings zeigt mir, dass jede noch so hohe Mauer überwunden werden kann. Im Moment ist die Zeit noch auf meiner Seite - mal schauen, was das Leben noch so bringt und welche Mauern ich noch überwinden muß oder will.

Andreas Holz:
Da ich über 25 Jahre durch ein politisches System dazu gezwungen wurde, mir nur eine Seite einer „Mauer“ anschauen zu können besser gesagt zu müssen, habe ich mit teilenden Mauern große Probleme. Die Freiheit, für mich mein höchstes Gut, wurde mir so genommen. Aber andere Mauern schützen, wie die alte Stadtmauer, an der ich in Meiningen groß geworden bin und die unser Haus vor Hochwasser schützte und mich davor als kleines Kind in den Mühlgraben zu fallen.

Auch schützen große Hafen-und Kaimauern das dahinter liegende Land und die daran festgemachten Schiffe vor Sturmfluten und abtreiben. In diesen Fällen sind Mauern für die, die an Ihnen leben sehr wichtig und gut. Nur mit Mauern in den Köpfen mancher Leute kann ich überhaupt nicht umgehen und frage mich, wie kann man auch diese Mauern „einreißen".

Dolores Fritz:
In Grenznähe aufgewachsen und mit Verwandtenbesuchen im Meininger Grenzsperrgebiet und Berlin verbindet sich der Begriff Mauer schon seit meiner Kindheit mit Verbotsschildern, Bedrohung und Freiheitsbeschränkung. Als Kind durfte ich in meinem Heimathaus nicht auf der hohen Stützmauer am Grundstück herumklettern, es war zu gefährlich. Der Weg zur Schule führte an einer langen Fabrikmauer vorbei mit Verbotsschildern an den Eingängen. Das entscheidende Ereignis war aber am 13. August 1961. Zurück von einem Spaziergang mit meiner Münchner Tante auf dem Meininger Panoramaweg empfing uns der Opa mit den Worten „Ulbricht baut in Berlin eine Mauer“. Ich hatte sofort Angst, dass meine Tante nun nicht mehr nach Hause fahren darf und ich nie wieder nach Berlin kann. Wenige Jahre später sah ich die Mauer mit eigenen Augen und ich zog sogar mit meiner Familie in die Nähe von Berlin. Bei allen Stadtbesuchen mit der S-Bahn führte der Weg entlang dieser Mauer. Sie war überall präsent. Den Drang nach Freiheit stillte ich mit Blicken vom Fernsehturm oder Hochhäusern nach Westberlin, hinweg über den „antifaschistischen Schutzwall“ wie die Mauer propagandistisch in der DDR genannt wurde. Bei meinen Besuchen im Sperrgebiet sehe ich noch heute gleich nach Meiningen in Richtung Sülzfeld das Warnschild und die immer höher werdenden Grenztürme und vorverlegten Stacheldrahtzäune.

Mit der Grenzlockerung in Ungarn im August 1989 nutzten mein Mann und ich sofort die Chance zur Flucht. Über Polen und die Tschechoslowakei ging es nach Ungarn. Das Geräusch beim Durchtrennen des Stacheldrahtes (die Grenze war noch bewacht und nicht abgebaut) ist bei mir bis heute das Signal für Freiheit. Jetzt unternehme ich mit meinem Mann von Meinigen aus Wanderungen auf dem ehemaligen Grenzweg, noch immer ein Gefühl von Freiheit.

Friedemann Höser:
Den Mauerfall vor 30 Jahren betrachte ich als eines der größten Wunder, die ich erlebt habe. Vor allem die Tatsache, daß alles friedlich verlief, empfinde ich nach wie vor als Grund zur Dankbarkeit. In diesem Zusammenhang haben Mauern natürlich einen negativen Beigeschmack. Für mich sind sie allerdings nicht per se etwas Schlechtes. Menschen sind ständig verschiedenen Angriffen ausgesetzt. Mauern können meinem Schutz dienen und sind in dieser Funktion sogar wichtig. Gottes Aussagen über mich empfinde ich als solche Schutzmauern. Als jemand, der Jesus als seinen Herrn angenommen hat, bin ich Gottes Kind, gehöre ich zu Gottes Familie, weiß ich, daß Gott mich liebt. ER hat gute Dinge für mein Leben hier vorbereitet und ich werde die Ewigkeit danach bei IHM verbringen. Diese Tatsachen erlebe ich als Schutzmauern gegen Angriffe und deshalb tue ich etwas, um sie mir sowohl gegenwärtig als auch intakt zu halten.

Natürlich können Mauern auch einengend sein und mich zu einem Gefangenen machen. Jesus Christus ist gekommen, um uns in Freiheit zu führen, auch um Mauern in uns niederzureißen. Wenn ich gemäß Seinem Wort lebe, garantiert ER mir Freiheit. Wenn ich dagegen Seine Hinweise mißachte, z.B. Vorurteile pflege statt andere anzunehmen, Menschen verurteile und ablehne statt ihnen zu vergeben, mich nur um mich selber drehe statt meinem Nächsten Gutes zu tun, wachsen wieder neue einengende Mauern in mir. Letztlich baue ich sie selbst. Davor möchte ich mich hüten und auch andere warnen.
Manchmal erlebe ich auch erziehungs- oder gesellschaftsbedingte innere Mauern als Hindernisse auf meinem Weg. Sofern ich mir sicher bin, in der von Gott für mich vorgesehenen Richtung unterwegs zu sein, ist mir dann Psalm 18,30 wichtig: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Ich bemühe mich, das Unmöglichkeitsdenken zurückzudrängen und erbitte Seine Hilfe. Schließlich ist ER derselbe wie vor 30 Jahren und IHM ist wirklich nichts unmöglich.

Hans-Jürgen Herbst
„Die Arbeit hinter den Mauern“ - 1976-2017 tätig in der JVA Untermaßfeld
Mauern begegnete ich während meinen 41 Dienstjahren ganz nah - als Landesbeamter im Justizvollzug. Der Justizvollzug hat in der Gesellschaft eine Schlüsselfunktion. Seine Aufgabe ist nicht nur der Schutz der Gesellschaft vor Straftätern, sondern auch die Resozialisierung der Menschen, die straffällig geworden sind und zu einer Haftstrafe verurteilt wurden. Ich erlebte, dass ein und dieselbe Mauer von zwei Seiten aus betrachtet und erfahren werden kann. Ich war und bin auf der Seite der Mauer, in der Gesellschaft und frei, kann gehen wohin ich mag und meine eigenen Interessen verfolgen. Jeden Tag wechselte ich zwischen den Welten durch das Tor hin und her. Die Inhaftierten könnten diese Mauer nicht überwinden und sind zum Schutz der Gesellschaft aus gutem Grund auf dieser Seite. Sie sind nicht freiwillig im Gefängnis und haben in ihrem sozialen Umfeld oftmals Konflikte nur mit Gewalt oder Aggressivität lösen können. Manche dieser Verhaltensmuster behielten sie auch im Gefängnis bei. Der herausfordernde Gefängnisalltag war und ist darauf ausgelegt, Straftäter wieder und die Gesellschaft entlassen zu können. Beamte, Lehrer, Handwerksmeister, Sozialpädagogen, Psychologen und Ärzte arbeiten gemeinsam daran, dass aus jenen, die hinter den Gefängnismauern sitzen, wieder Personen werden, die eines Tages ebenfalls durch das Tor gehen können. Auf die andere Seite - in ein selbstbestimmtes Leben.

Inge Sauer:
Ich bin sehbehindert (Glaukom) und bin auf fremde Hilfe angewiesen. In meiner Wohnung kenne ich mich aus, fühle mich sicher und auch sehr wohl. Mit Hilfe der Familie, guten Freunden und Bekannten ist mir ein weitgehend selbstständiges Leben möglich.

Ich würde mir wünschen, dass Berührungsängste für alle Menschen kein Thema sind und ich auf der Straße oft angesprochen werde. Ein lieber Besuch, ein schönes Gespräch und Musik helfen auch über aufkommende Einsamkeit hinweg. Es gibt mir auch Kraft, abseits des Lärms und der Hektik der Zeit, innere Ruhe zu finden und Auszeiten zu genießen.

Frank Müller:
Ich glaube, bei jedem gibt es irgendeine Form von Mauern. Welche, die man überwinden möchte, aber nicht kann – aus welchen Gründen auch immer – und welche, die man sich selber baut, um sich zu schützen. Auch ich habe verschiedene Mauern. Eine ist mein Glauben, ich bin katholisch. Ich wurde getauft, hatte Kommunion und Firmung, war 10 Jahre lang Ministrant. Bei uns wurde die katholische Glaubensausrichtung sozusagen in die Wiege gelegt. Ca. 75 % meiner Geburtsstadt waren damals katholisch. Ich wurde also katholisch erzogen und auch unterrichtet. In der Kirche hatten alle ihren Platz. Anfänglich Männer auf der einen Seite, Frauen auf der anderen Seite. Mit den Jahren wurde es dann gemischter. Entweder war jeden Samstag am Abend oder Sonntag am Morgen Kirche. Das war so etwas wie Pflicht. Wer nicht kam, über den wurde geredet.

Jetzt bin ich selbst Familienvater und meine ganze Familie – außer mir – ist evangelisch. Ich sehe es nicht so streng mit dem wöchentlichen Kirchgang. Wenn wir die Zeit dafür haben, gehen wir in die Kirche und wenn die Kinder oder ich einmal keine Lust oder Zeit haben, dann eben nicht. Wir haben unseren angestammten Platz und sind in der evangelischen Kirchgemeinde angekommen. Ich wurde auch schon gefragt, ob ich mich für den Kreiskirchenrat aufstellen lassen wolle. Aber ich bin ja katholisch… Also geht das nicht. Meinen Glauben ändern und evangelisch werden? Das kam für mich nie in Frage. Auch wenn ich in vielen Bereichen die Ansichten der katholischen Kirche nicht teile, käme ich mir dabei verloren vor. Ich fühle mich meiner Mutter gegenüber verpflichtet. Sie kam aus einem katholischen Elternhaus und hat mich katholisch erzogen. Mittlerweile ist sie schon lange verstorben, aber ich denke irgendwie immer noch, sie würde das nicht gut finden, wenn ich plötzlich evangelisch werden würde. Für mich gibt mir mein Glaube manchmal Schutz und manchmal Hoffnung. Ich denke zwar, dass es egal ist, welchen Glauben man hat, Hauptsache man hat einen Glauben, aber wechseln würde ich meinen Glauben nicht.

Ibrahim Bajo:

Bevor ich nach Europa kam, dachte ich dass es Mauern nur bei uns gäbe. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass dies nicht der Fall ist. Auf meinem Weg erkannte ich, dass Mauern und Grenzen nicht nur aus Beton und Stacheldraht bestehen, sondern auch aus Gedanken in den Köpfen der Menschen, und dass das noch viel schlimmer ist. Viele Leute finden es sehr schwer, sich gegenüber Menschen, die nicht wie sie sind, zu öffnen. Sie bauen unsichtbare Mauern zwischen sich und den „Anderen“ auf, die oft zu Hass und Leid führen. Solche Mauern zu brechen ist viel schwerer als eine Mauer aus Stein abzureißen und auch viel wichtiger.

Daher versuche ich anhand meiner Musik diese Mauern zu durchbrechen. Die Musik kennt bekanntlich keine Grenzen, was ich auch in meinem Alltag erleben darf. Am Theater, zum Beispiel, finden sich Musiker/innen aus der ganzen Welt auf einer Bühne zusammen um Musik von Komponisten aus verschiedenen Ländern und Epochen zum Leben zu erwecken. Die unterschiedlichen Kulturen und Sprachen spielen hier eine bereichernde, positive Rolle. Es ist ganz selbstverständlich, in einer Fremdsprache zu singen oder Musik aus dem Ausland zu spielen.

Mein Ziel ist es, zusammen mit Künstlern jeglicher Herkunft Musik zu machen. In meiner Band, Syriab, sind zurzeit unter anderem sowohl syrische als auch deutsche Musiker/innen, die ein bunt gemischtes deutsch-arabisches Programm spielen. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen und Musikrichtungen die die einzelnen Künstler gewöhnt sind kommen so auf interessante Art und Weise zusammen, was für alle eine völlig neue und bereichernde Erfahrung ist. Genau dieses gemeinsame Lernen und Schaffen ist es, das unsere inneren Grenzen zerbricht.

Suasanne Klapka:

Ja, es gab Mauern in meinem Leben, Mauern in meinem Kopf - bestehend aus alten Glaubenssätzen und überholten Verhaltensmustern, weitergegeben über Generationen, einst zum Schutz entwickelt, aufgenommen und abgewandelt; bewusst oder unbewusst... Sie hemmten meine Gedanken, mein Handeln, ließen mich so manche Fehlentscheidung treffen und hinderten mich oft daran, das zu tun, was ich persönlich für richtig hielt und das zu fühlen, was ich wirklich empfand.

Mit Hilfe von Hypnose konnte ich diese Mauern in meinem Kopf zum Einsturz bringen. Die Hypnose führte mich durch verschiedene Räume. In manchen schienen die Wände wie bedrohlich eng stehende Mauern, zwischen denen schmerzliche Erinnerungen gefangen waren. Andere wieder gaben mir die Chance, sie so einzurichten, wie ich es mir erträumen würde. Dann waren sie hell und warm und weit. Aber hinter allem stand stets die Aufgabe, den Raum wieder zu verlassen, eine Tür zu finden, die mich weiterführen würde; nie wissend, was mich erwartete. Schließlich trat ich durch eine letzte Tür. Kein weiterer Raum, keine Mauer. Vor mir öffnete sich der Blick in eine traumhafte Landschaft. Ich stand auf einer Veranda, warmer Wind streichelte mein Gesicht; ich fühlte mich so glücklich und befreit. Ein schmaler, sandiger Pfad führte zwischen Palmen und exotischen Blumen in die Ferne und lud mich ein, den ersten Schritt zu tun. Was soll ich sagen? Ich bin auf dem Weg.

Sabine Rau:

„Oft haben wir sie. Manchmal wollen wir sie. Aber brauchen wir sie?
Wie sieht es mit Mauern in deinem Leben aus?“

Wir werden alle frei von Mauern geboren. Sie werden uns teilweise anerzogen, teilweise bauen wir sie selber auf. Manche brauchen wir, sie geben uns Sicherheit, vermitteln Geborgenheit. Innerhalb dieser Mauern kennen wir uns aus, müssen uns nicht täglich hinterfragen. Andere Mauern bekommen wir aufgebürdet - zum Beispiel Vorurteile, die uns eine freie Sicht auf die Welt, auf die Menschen, die uns umgeben, auf Werte, die unser Handeln bestimmen, verwehren.

Ich versuche die Mauern, die auch ich in mir trage, zu hinterfragen und diejenigen zu identifizieren, die mein Leben verkomplizieren, die nur eine scheinbare Sicherheit vermitteln, Kräfte eher lähmen. Es ist eine zunächst anstrengende Auseinandersetzung mit der eigenen Person, den eigenen Wünschen und Zielen, aber sie lohnt sich, denn hinter den Mauern öffnet sich der Blick für neue Wege und lohnende Perspektiven.
"Nichts ändert sich, bis du dich änderst und plötzlich ändert sich alles."
In diesem Sinne - trauen Sie sich.

Daniel Schmädicke:

Wenn ich Mauern um mich hätte könnte ich mich nicht umsehen - das macht mich blind. Ich möchte aber etwas mitbekommen und mich beteiligen. Die die sich nicht umsehen und Mauern errichtet haben - Leben einsam.

Melanie Fuhrmann:

Auf Mauern im eigenen Leben angesprochen, ergibt sich reflexhaft der schnelle Trotz, der scheinbar erwarteten Verurteilung zu widerstehen. Sicherlich, Mauern trennen, sperren aus und ein, schaffen Leid, sind grundsätzlich konstruiert. Aber eben auch das: Mauern schützen, ermöglichen eigenen Raum, stiften Identität. Also wo sich selbst verorten? Oder die eigentliche Frage - wo sind sie, die Mauern im eigenen kleinen Leben, ganz ohne global-historischen Rundumschlag? Dort: Da sterben die Jüngsten, weit hinter gedanklichen Mauern im Irgendwo, die eigene Handlungsmöglichkeit wird zugemauert. Man würde ja nicht fertig. Da sterben leidende Geschöpfe hinter hohen Mauern, damit das Pausenbrot schön rosa belegt bleibt. Je näher das Leid, desto höher die Mauer, sonst wäre es nicht zu ertragen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst - außer, es wird zu unbequem. Dabei ist der Mensch so geschaffen. Geboren in körperliche Begrenztheit und die der eigenen Lebensdauer sind uns Grenzen und Mauern selbstverständlich. Und auf dem Altar der Individualität und Selbstbedeutung opfern wir panisch die Durchschnittlichkeit, um uns noch weiter abzugrenzen. Deshalb ist dies meine persönliche Lesart: Der Baum der Erkenntnis gewährt uns Selbst-Erkenntnis, der menschliche, unvermeidliche Makel liegt damit in der Abgesondertheit vom eigentlich Allumfassenden. Das ist theologisch wie phylogenetisch derselbe Schuh. Was bleibt, ist die tiefe Sehnsucht nach der Heimat, nach dem Ort, an dem alles seinen Platz hat, ohne Grenzen, ohne Mauern. Der Mensch stellt vielleicht deshalb neue Verbindungen her, die digitale Entwicklung entspricht dem Bedürfnis einer vollständigen Aufhebung trennender Faktoren, Individualität besteht neben dem tiefen Wunsch nach Gleichheit ("Alle Menschen werden Brüder…"), man hört mancherorts sogar den Ruf nach der Überwindung des trennenden Geschlechts. Damit überwinden wir aber nicht das biologische Leben an sich, das Grenzen grundsätzlich vorsieht. Ich bleibe ratlos: Grenzen und Mauern sind unlösbar an unsere physische Existenz geknüpft, sie niederreißen zu wollen, scheint nur als Utopie tragbar. Oder vielleicht liegt genau darin eine Möglichkeit - Mauern als Teil des Lebens zu akzeptieren, aber unablässig zu überprüfen, welche Mauern tatsächlich gesetzt sind und welche wir aus moralischer Faulheit errichtet haben.

Andreas Kowalczyk:
So sehr ich es mir wünsche behaupten zu können, es gäbe keine Mauern in mir oder in meinem Leben, ist mir gleichzeitig bewusst wie töricht diese Behauptung wäre. Ich versuche jegliche Mauern so sorgfältig wie möglich einzureißen, um meinen Mitmenschen genau das zu ermöglichen, was ich doch so gerne von ihnen erwarten würde. Tatsächlich muss ich oft feststellen, dass die Mauern, welche sich in mir aufziehen eine Reaktion auf jene sind, welche mir von meinen Mitmenschen in den Weg gestellt werden. Baut man keine Mauern in sich auf, liefert man sich seinem Gegenüber schutzlos aus, wie es scheint. Für mich persönlich ist dieses „Sich-Ausliefern“ zunächst eine Eigenschaft, welche zwar Mut erfordert aber mehr positives Potenzial mit sich bringt als sich zu verschanzen. Kann man jedoch mit den vermeintlich negativen Folgen für einen selbst leben oder Leben lernen? Sie als einen Teil des Risikos akzeptieren? Schmerz, Verzweiflung, Verunsicherung, Demütigung und letztendlich auch Angst? Hat die Vergangenheit uns nicht gezeigt, dass der Fehler nicht im Zulassen, der Neugier und dem Versuchen, sondern eben in der Isolierung selbst liegt, in dem Misstrauen und der Angst vor dem Unbekannten und Ungemütlichen, nicht in der Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz die man versucht anderen entgegen zubringen?! Die Angst wird es sein, sie war es vermutlich schon immer. Diese gepaart mit Eitelkeit und vielleicht auch Neid.

Mauert man sich also lieber in seine Eitelkeit ein, aus Angst vor Einflüssen der Anderen? Wer schützt einen jedoch vor der Macht der eigenen Irrungen und Wirrungen? Die Frage hier: was davon ist destruktiver …? Wie pflegt also jeder für sich mit Mauern umzugehen?Dort habe ich für mich, so wie jeder für sich selbst, wenigstens die Wahl zwischen einem geschlossenen System, einem Konstrukt um sich sicher zu fühlen (fügen) oder der vielfältigen Anarchie der Eindrücke, Überraschungen und Emotionen. Nutzen wir heute die Möglichkeiten uns gegen Mauern einzusetzen, welche uns und andere in unserem Zusammenleben und Kennenlernen hindern und zwischen uns gesetzt werden? Leben wir tatsächlich in einer Welt, in der unsereins mit dem Flieger jegliche Mauern und Widrigkeiten meint überfliegen zu dürfen um von dem so „….Leben“ zu pausieren, weil der Wohlstand es uns gewehrt und anderen dieses Privileg vorzuenthalten, selbst wenn nur ein kleines Stück von dem Honigkuchen an andere in Not abzugeben reichen würde? Ist das Privileg unserer Freiheit tatsächlich der Käfig der anderen? Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass wir durch einen glücklichen Zufall auf einen privilegierten Teil des Planeten namens Deutschland gesetzt wurden. Ist es gerechtfertigt auf etwas stolz zu sein oder etwas zu beanspruchen, das nicht aus eigener Kraft, Schweiß und Tränen geschaffen wurde sondern zu einem großen Teil auf dem Schmerz, Verlust und Leid anderer, auch derer Benachteiligter innerhalb unserer Ländergrenzen aufbaut? Können wir uns tatsächlich erlauben jenen Hass und Ablehnung entgegen zu bringen, die ihre Heimat, Familie und ihr Leben aus Not auch dank uns, denen es hier am nötigen zum Leben nicht fehlt, dank unserer eifrigen Geister, fleißigen Hände und Unersättlichkeit in Schutt und Asche zurücklassen mussten? Für wen, was oder wie wichtiger halten wir uns also Mauern zu errichten im Geiste, wie auch im Raum gegen Menschen, die genauso hätten wir sein können? Mauern zwingen uns an Dingen festzuhalten zu müssen. Bei jedem Mal, wenn ich über genau diese Dinge nachdenke und das ist offen gesagt in diesen Zeiten sehr häufig, muss ich viele Mauern überwinden, so als wäre es ein permanentes Klettern im Verstand und im Herzen…. Ein sehr mühsames und widriges zugleich.

Ilona Schimoneck:

Nirgendwo fühle ich mich so sicher, wie innerhalb meiner eigenen vier Wände, im Übertragenen innerhalb meiner eigenen „Schutzmauern“. Hier kenne ich alles, hier fühle ich mich geborgen, habe nur die um mich, denen ich Einlass gewähre, mit denen ich mich wohl fühle.

Doch bleibe ich zu lange innerhalb meiner eigenen Mauern, bekomme ich einen Budenkoller, mir fällt „die Decke auf den Kopf“. Deswegen ist es so wichtig, dass die Mauern Türen und Fenster haben, damit ich hinausgehen kann, über den eigenen Tellerrand schauen, Neues entdecken kann. Nur so bleibt das Leben bunt und aufregend.

Lenka Kovac:

Als Kind habe ich viel über eine unendliche Stacheldrahtmauer, die ganz nah an unserem Wohngebiet (in Bratislava, Slowakei) war, gehört. Erst später habe ich ihre wirkliche Bedeutung verstanden. Erst später habe ich verstanden, dass ich kleiner Zeuge eines Happy Ends - des Falls der Mauer wurde. So wurde es immer bei uns zu Hause empfunden. Die vielen unglücklichen Schicksale, die vielen Geschichten und dann diese unglaubliche bewegende Atmosphäre, die aus den friedlichen Menschenmassen strömte - auf der Straße, zu Hause, in der Schule, in der Kirche, bei Freunden - überall. Mit 10 habe ich nur sehr wenig verstanden, trotzdem hat sich das Ganze auf mich als Kind übertragen. Eins war bei uns zu Hause klar, wenn diese Mauer fällt, wird alles anders - frei. Meine Eltern haben uns Kindern immer die Dankbarkeit für die Freiheit eingeprägt - trotzdem, dass Vieles anders wurde als man sich es vorgestellt hat. Man hat die freie Wahl und kann freie Entscheidungen treffen. … Dafür bin ich dankbar. Und ob wir die Mauern brauchen? Es werden heute wieder viele Mauern gebaut - die aus Draht aber auch die Unsichtbaren in uns - in mir. Als ob wir sie immer wieder bräuchten, um sie dann in einem Kampf wegen der Unfreiheit, Engheit und der Einschränkung wieder fallen zu lassen, um uns auf dieses Freiheitsgefühl immer wieder erinnern zu können, da wir es so schnell vergessen …

ps. In meiner Heimat stehen seit ein paar Monaten wieder Menschenmassen auf den Straßen wie damals vor 30 Jahren und kämpfen friedlich für die Freiheit und Anständigkeit im Land, die ihnen langsam von ein paar Mächtigen geraubt wird …








Unsere Familie braut Bierspezialitäten in 5./6. und 7. Generation. Auch wir mussten schmerzlich erfahren wie unser Betrieb in den 70er Jahren enteignet wurde.

Unser damaliger Seniorchef musste aus nächster Nähe zuschauen, wie das kommunistische Regime den Betrieb übernahm und diktierte, was wohl der düsterste Tag einer Familiengeschichte ist.

Genauso schmerzlich fanden wir die  Führung des Betriebes durch die Kommunisten in der DDR-Zeit. Aus heutiger Sicht verhalf sie uns zu einem schlechten Image durch die damalige Mangelwirtschaft und die daraus resultierende mangelnde Qualität des Bieres (außer Spezial- und Delikatbier, welches nur von der Politik auserwählte Kunden bekommen haben). Ein Beispiel: Bier durfte nicht teurer werden, deshalb wurde es durch Stammwürzereduzierung „dünner“ gemacht, d.h. verdeckte Preiserhöhung und Täuschung am Kunden. Dieses schlechte Image steckt heute noch in vielen Köpfen.

Deshalb unser Appell an alle Endverbraucher: Reden wir wieder positiv über regionale Produkte. Reißen wir gemeinsam die vorhandenen Mauern der Voreingenommenheit gegenüber regionaler Produkte ein.

Besuchen Sie uns in Kaltennordheim. Wir haben eine moderne Brauerei und freuen uns über eine Wertschätzung unserer Biere.

Ich bin offensichtlich, ohne viel dafür getan zu haben, mit ziemlich guten Startvoraussetzungen in die Welt gesetzt worden. Nach der Schulzeit war diese für mich grenzenlos und so lebte, studierte, arbeitete ich einige Jahre zwischen Paris, Lissabon und Brasilien und zuletzt lange Zeit in Berlin. Wenn es Widerstände gab, so habe ich meist irgendeinen Weg daran vorbei gefunden und dafür nicht selten Planänderungen in Kauf genommen.

 

Das Eintauchen in andere Kulturen, das Bewusstwerden von Gemeinsamkeiten und Unterschieden formen bis heute meine Identität. Ruhiger zu werden, mich selbst zu begrenzen, ist ein Prozess. Vielleicht bin ich bald angekommen. Zugleich akzeptiere ich meine innere Unruhe, die Welt begreifen zu wollen, denn sie wird immer Teil meines Wesens sein.

 

Wenn Menschen sich vor hohen, unüberwindbaren Mauern wiederfinden, fühle ich mit ihnen, suche nach Lösungen, denn diese Ungerechtigkeiten machen mich wütend.