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Zusatzinformationen

Stadtarchiv

Kleine Meininger Geschichte

Im Tal der Werra zwischen Rhön und Thüringer Wald liegt die Kreisstadt Meiningen, bekannt durch Kunst- und Theaterpflege in Vergangenheit und Gegenwart. Sie vereinigt in besonderem Maße Natur und Kultur.
Theaterfreunden ist der Name Meiningen seit langem ein Begriff. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gelang es dem begabten und selbst künstlerisch tätigen Herzog Georg II. die kleine Residenzstadt zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren Deutschlands zu entwickeln. Als wesentlichster und folgenreichster Bestandteil dieser Bemühungen gilt die Theaterreform der „Meininger“. Georg II. orientierte seine Schauspieltruppe auf die Treue zum dichterischen Werk, auf historisch korrekte und illusionistische Bühnenbilder sowie auf das bis ins Detail abgestimmte Ensemblespiel mit eindrucksvollen Massenszenen. Durch seine für die damalige Zeit außergewöhnlichen Inszenierungen wurde Georg II. zum Begründer des modernen Regietheaters in Europa. Der historische Realismus der „Meininger“ fand durch die 81 Gastspielreisen des Ensembles in den Jahren 1874 – 1890 in 36 europäischen Städten weite Verbreitung.
Analog zur Schauspieltruppe brachte es auch die Meininger Hofkapelle zu meisterhafter künstlerischer Qualität und gab viele Gastkonzerte im In- und Ausland. An der Spitze des Klangkörpers, der es sogar mit den Wiener Philharmonikern aufnehmen konnte, standen so berühmte Musiker wie Hans von Bülow ( 1830 – 1894), Fritz Steinbach ( 1855 – 1916 ), Max Reger (1873 – 1916). Besonders durch Hans von Bülow wurden die Werke von Johannes Brahms in Meiningen gepflegt und zum Teil auch uraufgeführt.
An die Aufenthalte dieses Komponisten in der Stadt erinnern nicht nur das Brahms-Denkmal im Englischen Garten, sondern auch der Brahms-Weg, der sich im Schlosspark beginnend durch den Herrenberg am anderen Ufer der Werra erstreckt.
Darüber hinaus vereinigt die Kulturgeschichte der Stadt viele berühmte Namen aus den verschiedensten Genres auf sich. In der Stadt gelebt und gearbeitet haben der Märchendichter Ludwig Bechstein (1801 – 1860) und der Schriftsteller Jean Paul (1763 – 1825 ). Die vertonte Werke des Dichters Rudolf Baumbach ( 1840 – 1905) „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Die Lindenwirtin“ sind noch in aller Munde.
Vom Schlosspark umgeben ist das 1682 – 1692 im barocken Stil erbaute Residenzschloss Elisabethenburg, das heute die in Europa einmalige theatergeschichtliche Sammlung mit den historischen Bühnenprospekten aus der Reisezeit der „Meininger“ beherbergt.
Die heute noch wirkenden historischen Einflüsse, besonders auf kulturellem Gebiet, gehen auf die Zeit nach 1680 zurück, als Meiningen zum Mittelpunkt des politischen und gesellschaftlichen Lebens des Herzogtums Sachsen-Meiningen avancierte.
Herzogin Charlotte Amalie und ihre beiden Söhne Karl und Herzog Georg I. konnten mittels zahlreicher Reformen auf den Gebieten Staatswesen, Bildung, Gesundheit und Kultur der Stadt Meiningen einen gewissen Grad an Prosperität sichern. Vom nachfolgenden Bernhard II. wurde ganz bewusst auf die Ansiedlung von Industrie verzichtet, dafür aber die Gründung von Geldinstituten gefördert.
Nach der Wende hat sich die Kreisstadt Meiningen wieder zu einem Bankenzentrum entwickelt. Das traditionsreiche Dampflokwerk Meiningen ist das einzige Werk in Deutschland, in dem noch die technischen Voraussetzungen und vor allem das Fachwissen für die Instandsetzung historischer Dampflokomotiven gegeben sind.
Auf der Hochebene von Dreißigacker ist ein neues Klinikum entstanden sowie ein attraktives und städtebaulich schönes Gewerbegebiet.
Die Stadt mit den Ortsteilen Dreißigacker, Helba und Welkershausen hat heute 20.000 Einwohner. Sie besitzt Bahnanschluss an die Strecken Erfurt – Würzburg und Kassel – Frankfurt und weitere Verkehrsanbindungen durch die Bundesautobahn 71 und die Bundesstraßen 19, 89, 247, 280 und 285.

 

Geschichte des Stadtarchivs

Das städtische Archiv wurde 1531 erstmals urkundlich erwähnt. 1834 ordnete und verzeichnete der Skribent J.Ch. Schwarz die städtischen Akten und die Ratsbibliothek. Beim großen Stadtbrand am 5.9.1874 wurden viele ältere Archivalien vernichtet. Mit der Bombardierung Meiningens am 23. Februar 1945 wurden nochmals viele Akten und Amtsbücher zerstört.
Die in der Vorkriegszeit beim Thüringischen Staatsarchiv Meiningen deponierten älteren städtischen Archivalien führte man 1963 zurück und übergab sie zusammen mit einer halben Planstelle an das Kreisarchiv.
Nach der friedlichen Revolution richtete die Stadt im Bibrasbau wieder ein Stadtarchiv ein, dass 2002 räumlich vergrößert und saniert werden konnte.
2013 wurden Räume des Stadtarchivs an das Thüringer Staatsarchiv zur Miete überlassen, wodurch sich der Benutzerbereich stark eingeschränkt hat. Mit dem Umzug der Musikschule in die ehemalige Struppsche Villa hoffen wir, dass wir in Zukunft wieder eine angemessene Besucherbetreuung durchführen können.

Aufgaben

Das Stadtarchiv gliedert sich in die Teilbereiche Stadtarchiv, Verwaltungsarchiv, Bauakten und Bibliothek. Das Stadtarchiv erfasst, bewertet, erschließt, verwaltet, pflegt und wertet archivwürdige Unterlagen aus, die bei der Stadt entstehen.
Darüber hinaus werden dokumentarische Materialien, die zur Ergänzung des Archivgutes dienen, gesammelt. Dazu kann auch Archivgut anderer Herkunft übernommen werden, sofern das im öffentlichen Interesse liegt. Das Stadtarchiv fördert neben der Herausgabe von Publikationen die Erforschung und Darstellung der Stadtgeschichte sowie weiterer Themenbereiche, die aus den Beständen erarbeitet werden können, im Rahmen der personellen Möglichkeiten. Es beteiligt sich an Ausstellungen, die der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeite dienen.
Seit 2015 ist das Stadtarchiv gemeinsam mit der Christopher Kunstschule Organisator der jährlich stattfindenden Meininiger Zeitzeugengespräche.
Des Weiteren bietet das Stadtarchiv archivpädagogische Workshops an und die Betreuung von Seminarfacharbeiten.
In dem Projekt Geschichtswerkstatt lassen Jugendliche aus verschiedenen Schulen die Geschichte der Stadt Meiningens und deren Bewohner sichtbar werden.
Die Stadtentdecker, ein Projekt für Kinder von sieben bis 13 Jahren, beschäftigt sich ebenfalls mit der Geschichte der Stadt Meiningen und macht diese für Kinder erfahrbar.

 

 

 

Bestandsübersicht

Stadt Meiningen
• Urkunden (1287-2008)
• Altes archiv (1450-1874)
• Neues Archiv (1875-1945)
• StVV und Rat der Stadt (1945-1990)
• Bauakten (1890-2010)

Personenstandsregister
• Meiningen und 44 ehemalige Standesämter (1876-1980)

Gemeinden
• Dreißigacker (1813-1990)
• Helba
• Welkershausen
• Herpf

Schulen
• Städtische Schulanstalten 81650-1917)
• Henfling-Oberschule (1791-1993)
• Realschule (1883-1938)
• Pestalozzischule (1900-1990)
• Prinz-Friedrich-Schule (1991-1944)
• Charlottenschule (1915-1936)
• Realgymnasium (1922-1937)
• Staatliche Oberschule für Knaben und Mädchen mit Aufbauschule (1937-1946)
• Theo-Neubauer-Oberschule (1945-1991)
• Friedrich-Schiller-Oberschule (1953-1994)
• Rudolf-Baumbach-Oberschule (1959-1984)
• Martin—Luther-Schule (1961-1994)
• Juri-Gagarin-Oberschule und Grund- und Regelschule am Drachenberg (1969-2002)
• Hans-Beimler-Oberschule (1973-1991)

Wirtschaft
• Heinrich-Beck-Institut, Kopien (1897-1944)
• Gärtnerei Lutz (1908-1993)
• Vereinigte Lichtspiele Meiningen (1936-1947)
• VEB WElton (1958-1988)
• ELG d. Bäckerei- und Müllerhandwerks (1981-1992)

Parteien und Massenorganisationen
• KB der DDR-Ortsgruppe Meiningen (1959-1990)
• GST des RAW – Sektion Flugsport (1972-1977)
• Demokratischer Aufbruch (1989-1990)

Vereine
• Gartenbauverein (1833-1930)
• Jüdische Kultusgemeinde Meiningen (1868-1938)
• Sängervereinigung Dreißigacker (1908-1956)
• Baumbachgemeinde (1924-1946)
• Dolmarverein (1924-1946)
• Volkshochschule Dreißigacker (1926)
• Gemeinde am Schafhof (1932-1943)
• Chor Energie-Eisenbahn (1949-1999)
• Gemeinschaft ehem. Meininger Schüler (ab 1984)
• Bürgerinitiative zur Rettung der Altstadt (ab 1987)
• Schwimmverein Wasserfreunde e.V. (ab 1994)

Nachlässe
• Familie Doebner, Hofbauräte (1753-1950)
• Familie Köhler, Schlossgasse 9 (1763-1940)
• Franz Kürschner, Lehrer, Chorleiter (1884-1972)
• Adolf Menzel, Forstrat (1900-1941)
• Friedrich Meß, Jurist (1920-1963)
• Dr. E. Kranz, Beck-Institut (1959-1992)
• Negative Foto-Jahn (1960-1989)
• Negative Erich Grimm, RAW (1966-1978)
• Fotos Rolf Morawa, KB (1978-1995)
• Dr. Horst Strohbusch, Bürgermeister (1989-1992)

Sammlungen
• Zeitgeschichtliche Sammlung (1870-2009)
• Fotokartei (1870-2009)
• Postkarten (1870-1990)
• Fotodokumentationen (1900-2009)
• Amtl. Drucksachen (ab 1921)
• Plakate (ab 1945)
• Bild- und Tonträger (ab 1958)
• Zeitungsausschnittsammlung (1967-1995)
• Dispositive (1982-1992)
• Fotos Meininger tagespost (1990-1992)

Karten/Pläne
• Bauzeichnungen (1888-1990)
• Bebauungspläne (1946-1995)
• Sonstige Lagepläne und Karten (1907-1990)

Zeitungen und Zeitschriften
• Meiningische wöchentliche Anfragen und Nachrichten (1779-1825)
• Unterhaltendes gemeinnütziges Volksblatt (1837-1855)
• Meininger tageblatt (1849-1930; 1990-2001)
• Meininger Zeitung (1879-1894)
• Werra-Zeitung (1885-1896)
• Werra-Bote (1903-1925)
• Werra-Wacht (1919-1930)
• Thüringer Volk (1946-1950)
• Das Vokl (1950-1952)
• Freies Wort (ab 1952)
• Meininger tagespost (1990-1992)
• Der Lokwerker (1967-1990)

Amtsblätter
• Amtsblatt der Stadt Meiningen (ab 1990)
• Gemeindeblatt Sülzfeld (ab 1995)
• Dorfbote Untermaßfeld (ab 1995)

Archivbibliothek
• Stadtgeschichte, Chronik
• Vereinspublikationen
• Forschungsarbeiten
• Sellsche Bücher
• Meininger Urkundenbuch
• Adressbücher
• Stadtratssitzungen in Kopie (1874-1935)